"Die Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen hat mit der Porzellanfabrik Fraureuth AG einen Lieferungsvertrag über Verkaufsgegenstände aus Porzellan wie Teller, Tassen, Vasen, Schälchen usw. abgeschlossen, die an allen Orten, in Thorn bei der Firma C. B. Dietrich u. Sohn, zum Verkauf gelangen. Da ein großer Teil des aus dem Verkauf erzielten Erlöses der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen zugeführt wird, sei dr Ankauf dieses Porzellans wärmstens empfohlen."
Liebe Leser,
hier soll diejenige Zeit beleuchtet werden, in der die Fraureuth AG im fernen voigtländischen Fraureuth in den thüringischen Orten Wallendorf und Lichte tätig war, somit die Zeit zwischen 1918 und 1926, in der die sogenannte Kunstabteilung der Fraureuther Porzellanfabrik hier eingerichtet wurde.
Wer sich darüber hinaus für das Fraureuther Porzellan interessiert, konnte ich einst die wunderbar gestaltete Webseite www.fraureuth-porzellan.de empfehlen, die es nun leider nicht mehr gibt.
Wer allerdings Fraureuther Porzellan live erleben möchte, muss sich auf die Reise nach Fraureuth und Werdau begeben. Im ehemaligen Herrenhaus in Fraureuth, dass Sie unten sehen können, und im Dampfmaschinenmuseum in Werdau warten schöne Ausstellungen auf Sie.
Am 22.Mai 2016 um 14.00 Uhr fand im Herrenhaus in Fraureuth ein Vortrag zu dem Maler und Künstler CARL LORENZ statt (siehe nächste Page: E.W.), die der Porzellan-Verein Fraureuth organisiert hat.
Inzwischen verfügt der Porzellan-Verein Fraureuth auch über eine eigene Webseite:
https://porzellanausstellung-fraureuth.de/
Die Kunstabteilung war 1917 (s.o.) in Fraureuth ins Leben gerufen worden.
Als die Fraureuth AG aufgrund der steigenden Nachfrage nach Figuren und Zierporzellan die traditionsreiche Fabrik in Wallendorf im Jahre 1917/1918/1919 erworben hatte (siehe hierzu meine vorangegangene Page zur Firma Kämpfe und Heubach), verlegte sie ihre Kunstabteilung kurzerhand nach Wallendorf. So entstand hier eine Abteilung für Kunst- und Luxusporzellane, eine sogenannte Kunstabteilung.
Heinz Schaubach wurde die Leitung der Kunstabteilung in Wallendorf übertragen.
In Lichte bei Wallendorf hatte die Fraureuth AG bereits 1917 eine Malerei eingerichtet (siehe meine gleichnamige Page).
1920 wird eine weitere Zweigniederlassung in Gräfenthal errichtet.
Die Fraureuth AG strukturierte ihr Unternehmen dergestalt um, dass in Fraureuth selbst fortan nur noch Geschirr produziert wurde, in Zusammenarbeit mit einer Malerei, die sie in Dresden eingerichtet hatte und in der spezielle Handmalerei ausgeführt wurde.
Welche Produkte wo produziert werden sollten, können Sie der nachfolgenden Übersicht
entnehmen.
Im Standardwerk über die Porzellanfabrik Fraureuth von Dr. Susanne Fraas "Wachgeküsst " Verborgene Schätze der Fraureuther Porzellanfabrik heißt es auf Seite 36, dass "die Fabrik ihrer neuen Bestimmung entsprechend ausgebaut und modernisiert" wurde und auf Seite 37, dass "die Fabriken in Fraureuth und Wallendorf den ihnen zugeordneten Malereien Dresden und Lichte jeweils Weißware zur Dekoration lieferten."
Auf Seite 48 ist ein Bericht der Firma in der Zeitschrift für Feinkeramik "Keramos" zum Jahreswechsel 1923/1924 zitiert. Daraus erfahren wir etwas über die Aufgabenverteilung im Jahre 1923 innerhalb der angegliederten Betriebe. "...die beiden Fraureuther Werke erzeugen Gebrauchs- und Hotelgeschirre aller Art in auserlesenen Formen u. Dekoren,
Wallendorf stellt unsere handgemalten Kunstporzellane, Plastiken, Vasen, Dosen u. dgl. her,
während sich unsere Malereien in Dresden u. Lichte der Dekoration der in Fraureuth erzeugten Ware widmen." Dies bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt in Lichte nicht nur Galeriebildkopien gefertigt wurden, sondern hier die in Fraureuth hergestellen Geschirre bemalt wurden und nicht (nur) Weißware aus Wallendorf, wie oben angeführt.
Was die Künstler und deren Aufenthalt in Wallendorf angeht, habe ich auch Neuigkeiten, seien Sie gespannt...und schauen Sie unbedingt auf meine nächste Page "Eigene Werkstatt" und auswärtige Künstler."
Im Jahre 1926 musste die Fraureuth AG Konkurs anmelden, was auch die Schließung der Fabriken in Wallendorf und Lichte zur Folge hatte
Aus der Zeitschrift Die Woche 20.1918, H. 27-52 aus dem Jahre 1918 geht hervor, dass die Kunstabteilung der Porzellanfabrik Fraureuth erst Anfang 1917 eingerichtet wurde und im Jahre 1918 bereits 70 Künstlermodelle (Modellnummern 1181-1250) aufzuweisen hatte. Dazu gehören natürlich die im Artikel abgebildeten und genannten Modelle.
Mit der Modellnummer 1137 gibt es den ersten auswärtigen Künstler, der für Fraureuth tätig war und dies ist Erna Rosenberg mit ihrer Herzvase, die in vielen Dekoren existiert und im Internethandel häufig anzutreffen ist. Daher sehe ich den Beginn der Kunstabteilung Fraureuth mit der Modellnummer 1137 von Erna Rosenberg eingeläutet.
Mit der Biedermeierdame von Erna Rosenberg mit der Modellnummer 1181 beginnt die Fraureuth AG mit der Herstellung von Figuren und Plastiken und zwar in ihrer in das thüringische Wallendorf, in die Gebäude der Wallendorfer Porzellanfabrik, verlegten Kunstabteilung.
Es handelt sich bei den 1918 bereits eingeführten 70 Modellen namhafter Künstler neben Vasen und Dosen auch um menschliche Figuren und Tierplastiken. Beispielhaft werden die durchbrochene Vase mit Margariten von Hermann A. E. Kopf, die "anmutig drollige" Biedermeierdame von Erna Rosenberg und der "gravitätische" Truthahn von Carl Nacke genannt, beide letztere in Aufglasurmalerei dekoriert.
Einem ebayer, der die Figur gerade zum Verkauf anbietet und von dem die Fotos zur Verfügung gestellt wurden, ist es zu verdanken, dass die Modellnummer der Truthahn Figur von Carl Nacke aus dem Jahre 1918 endlich bekannt geworden ist; es ist die Modellnummer 1199.
Frau Fraas konnte diese seinerzeit nicht ermitteln und die Figur daher nicht in den Katalog der Modellnummern aufnehmen.
Aus meiner Sicht ist es nicht nachzuvollziehen, wieso die Fraureuth AG die Fertigung der figürlichen Kunstporzellane 1918 in Fraureuth begonnen haben soll, wo sie doch bereit 1917 mit Lichte/Wallendorf in Verbindung stand und Ausschau gehalten hat, sich dort einzumieten. Für die Fertigung figürlicher Modelle benötigt man mit Sicherheit ganz anderes Personal, allen voran beste Former und Modelleure, die in Fraureuth sicher nicht vorhanden waren, da dort vor allem Geschirr, ab 1917 dann auch Dosen und Vasen hergestellt wurden. In und um Wallendorf und Lichte war jedenfalls viel "brachliegendes Porzellinerpotential" der 1915 stillgelegten Wallendorfer Porzellanfabrik vorhanden.
Ich gehe daher von einer Fertigung der figürlichen Porzellane in Wallendorf ab 1918 aus. Die Besonderheit der Fraureuther menschlichen Figuren, die unbedeckten Körperteile (Gesicht, Brust Hände) nicht zu glasieren, wie dies im o.g. Artikel beschrieben wurde, deutet auch auf eine Fertigung in Wallendorf hin. Das sogenannte "Mattfleisch" ist zu einer Spezialität der Wallendorfer Figuren geworden.
Dies könnte m.E, dadurch belegt werden, dass man herausfindet,
- zu welchen Zeitpunkt die Künstler der eigenen Werkstatt (E.W.) nach Wallendorf ins Herrenhaus gezogen sind (Adresslisten, Wohnungslisten),
- wo die geschlossenen Miet- und Kaufverträge über die Porzellanfabrik archiviert sind und diese studiert,
- wo das von Heinz Schaubach als Betriebsleiter der Kunstabteilung Fraureuth in Wallendorf mit Sicherheit geführte Modellbuch sich befindet ---,
sofern einem dieses Material zur Verfügung gestellt werden würde.
Aus der vorstehenden Werbeanzeige aus "Die Woche: moderne illustrierte Zeitschrift" von 1919 ist verlautbart:
"Wir verkaufen die Erzeugnisse unserer Kunstabteilung ausschließlich zu Gunsten der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen für die im Kriege Gefallenen. Ein festgesetzter Teilbetrag von jedem verkauften Gegenstand fällt vertragsmäßig der Nationalstiftung zu"
Da die Kunstabteilung Wallendorf bereits 1919 eingerichtet war, ist anzunehmen, dass auch die mit dem Stempel der Nationalstiftung gekennzeichneten Porzellane, jedenfalls die in der Werbeanzeige abgebildeten Figuren, in der Porzellanfabrik Wallendorf hergestellt wurden.
Ebenfalls von 1919 ist die folgende Werbeanzeige aus Die Woche 21.1919, H. 21-40
Die in der Werbeanzeige abgebildeten Figuren sind daher in die Jahre vor 1919 einzuordnen.
Aus dem Jahre 1920 ist die folgende Werbeanzeige aus Die Woche 22.1920, H, 1-26
Die in der Werbeanzeige abgebildeten Figuren sind daher in die Jahre vor 1920 einzuordnen.
Im zweiten der vorstehenden Artikel aus dem Jahre 1924 steht, dass Arno Weise von der Porzellanfabrik Fraureuth am 1. Oktober sein 25jähriges Dienstjubiläum feiert und dass er seit 1919 die zur Porzellanfabrik Fraureuth gehörige Fabrik Wallendorf leitet.
Es heißt im Jahre 1917: "Fraureuth A-G., Fraureuth bei Werdau i. S. die wohlbekannte Fabrik, die im vorigen Jahr unter den gegenwärtigen...Nowack in Godullahütte, nicht zuletzt jedoch der im eigenen Betrieb tätigen Max Münch und Clemens Seidel...
Wie vorstehend zu lesen, "sind es Else Nowack und Clemens Seidel gewesen, die einzigartige Formen und auserlesene Dekore geschaffen haben." und zwar im Jahre 1919.
Da bin ich wieder für Sie, Ihre Porzellan-Reporterin
de K o g e n 's Sylvia,
mit meinen Geschichten rund um's Porzellan.
Liebe Leser meiner Webseite,
zunächst wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen
eine glückliche und erfüllte Weihnachtszeit!
Auch in diesem Jahr widme ich mich natürlich wieder den Weihnachtstellern der Porzellanfabriken.
Und ich habe Neuigkeiten für Sie - ein Artikel aus einer alten Fundstelle hat mich bewogen, die Informationen über die Weihnachtsteller der Porzellanfabrik Fraureuth AG und ihrer Kunstabteilung in Wallendorf für alle Interessenten nach und nach aufzubereiten...
"Daneben die "Weihnacht" in moderner Auffassung, harmonisch verkörpert durch die warmen Töne der mehrfarbigen Unterglasurmalerei. Lichterglänzend in der Mitte des Tisches der brennende Weihnachtsbaum. Die Dame des Hauses damit beschäftigt, die letzte Kerze zu entzünden. Davor ein von der Pracht des strahlenden Baumes entzücktes und jubelndes Kinderpaar. Das ganze umrahmt von einem Kranz goldener Sterne. Ein Weihnachtsmotiv von seltener Wirkung."
Anmerkung: der Kranz goldener Sterne ist auf dem vorstehenden Teller nicht vorhanden; aber auf der Werbekarte gibt es ihn.
Aus dem gefundenen Artikel geht hervor, dass die Weihnachtsteller der Porzellanfabrik Fraureuth für das Jahr 1919 von W. Scheide entworfen wurden, dessen Name wohl bisher nicht bekannt war. Frau Fraas hat jedenfalls in ihrem Buch über die Weihnachtsteller des Jahres 1919 nichts geschrieben.
"Stimmungsvoll sind auch die Motive für die beiden diesjährigen Weihnachtsteller, hergestellt in Unterglasur-Handmalerei nach den Entwürfen von W. Scheide:
Weit sind die Tore der mächtigen gotischen Kirche geöffnet. Weihevoll legt sich die andachtsvolle Stimmung der Gemeinde auf uns. Wir glauben die überzeugenden Worte des Priesters zu hören: "Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen".
"Daneben die "Weihnacht" in moderner Auffassung, harmonisch verkörpert durch die warmen Töne der mehrfarbigen Unterglasurmalerei. Lichterglänzend in der Mitte des Tisches der brennende Weihnachtsbaum. Die Dame des Hauses damit beschäftigt, die letzte Kerze zu entzünden. Davor ein von der Pracht des strahlenden Baumes entzücktes und jubelndes Kinderpaar. Das ganze umrahmt von einem Kranz goldener Sterne. Ein Weihnachtsmotiv von seltener Wirkung."
Demnach handelt es sich bei den beiden nachfolgend gezeigten Weihnachtstellern um die beiden (einzigen) Weihnachtsteller für das Jahr 1919.
In dieser Form als Klappkarte und Drucksache versandt, wurden die Teller potentiellen Kunden angeboten.
Sicher haben Sie auch den Unterschied in der Farblichkeit zwischen der Karte und dem Porzellanteller bemerkt, ja die Farben des Tellers wirken blasser, es sind ja auch Unterglasurfarben, die nicht ein so grosses Farbspektrum aufweisen wie die Aufglasurfarben. Aber ich kann Ihnen versichern, dass die Farben des Tellers in natura noch einmal viel schöner erscheinen als auf der Postkarte; das gesamte Farbspektrum der Unterglasurfarben ist ausgeschöpft. Wahre Meister der Unterglasurmalerei haben diese Teller geschaffen und spätestens ab 1919 wurden sie von den Malern der Unterglasurabteilung in Wallendorf gemalt, die sich nachfolgend sehen können:
Der Weihnachtsteller für das Jahr 1915 trägt das Motto "Ehre sei Gott in der Höhe" und wurde von Clemens Seidel gestaltet.
Der Weihnachtsteller für das Jahr 1916 trägt das Motto "Stille Nacht, heilige Nacht und wurde von Max Münch entworfen.
Die Weihnachtsteller für das Jahr 1921: "Dame am Weihnachtsbaum", "Winterlandschaft" und "Verlobung unterm Mistelzweig" sind aus Werbeanzeigen bestens bekannt und auch im Handel am häufigsten anzutreffen.
Nun, wir kennen jetzt die Weihnachtsteller der Jahre 1915, 1916, 1919 und 1921. Es fehlen noch die Jahre 1917, 1918, 1920, 1922 bis 1926.
1915: "Ehre sei Gott in der Höhe" - Clemens Seidel
1916: "Stille Nacht, heilige Nacht" - Max Münch
1917:
1918:
1919: "Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" (gotische Kirche) sowie "Weihnacht" (Mutter und Kinder am Weihnachtsbaum) von W. Scheide
1920:
1921: "Dame am Weihnachtsbaum", "Winterlandschaft" und "Verlobung unterm Mistelzweig"
Da wäre dann noch der Teller mit großem Weihnachtsmadonna ohne Jahresangabe, siehe unten.
Und noch drei Weihnachtsteller sind durch einen Prospekt bekannt geworden, aus dem leider das Jahr der Weihnacht nicht hervorgeht und dies sind die Teller:
"Waldwinter",
"Am vereisten Bach" und
"Weihnacht"
Nachfolgend eine Abbildung des Tellers "Weihnacht".
Auf dem nachfolgenden Foto sind drei Weihnachtsteller abgebildet, von denen der linke Teller im Buch von Frau Fraas zwar abgebildet, aber nicht beschrieben ist.
Vielleicht kann ich ja nach und nach noch mehr über die Fraureuther Weihnachtsteller für uns herausfinden. Jetzt muss die Porzellanforschung aber erst einmal für eine Weile weihnachtsbedingt ruhen...
Ihre Weihnachtsfee