Lichter am Porzellanhimmel

Die Porzellanfabrik in Lichte - ehemals Gebrüder Heubach

 

Liebe Leser,

 

über die Geschichte der Porzellanherstellung in der Fabrik in Lichte vor 1945 können Sie sich auf meiner Heubach page informieren.

 

Über die neuere Geschichte wollen Sie sich zunächst Sie bei Wikipedia und auf der Webseite http://www.porzellankompass.de informieren, bis ich selbst etwas dazu schreibe.

 

Dies habe ich schon einmal herausgefunden:

1938: Otto Friedrich Fürst zu Ysenburg und Büdingen wird Eigentümer

1945: Umwandlung in einen landeseigenen Betrieb 

1948: Enteignung

 

1969 schlossen sich 18 Thüringer Betriebe zum VEB Vereinigte Zierporzellanwerke Lichte zusammen, der zum leistungsfähigsten Zierporzellanbetrieb des Kontinents wurde:

 

- Werke: Lichte, Wallendorf, Piesau, Unterweissbach, Scheibe-Alsbach, VEB Gräfenthaler Porzellanfigrenwerke, Aelteste Volksstedter Porzellanmanufaktur ...

 

Thüringen - Atelier

               Porzellan - Geschichte(n)

   

Da bin ich wieder für Sie, Ihre Porzellan-Reporterin

 de  K o g e n 's  Sylvia,

mit meinen Geschichten rund um's Porzellan.

 

Thüringen - Atelier

 

Liebe Leser,

  

heute möchte ich Ihnen über das Thüringen - Atelier des VEB Vereinigte Zierporzellanwerke Lichte berichten und was daraus geworden ist.

 

Vorerst eine kleine Kostprobe an Porzellan, dessen Wiege das Thüringen - Atelier Lichte ist.

 

Und die Kostprobe ist brandneu und im Mai 2025 in die Sammlung eingegangen, das einzige Stück, das ich seit 2018 finden konnte:

 

handmalerei aus dem thüringen - Atelier

Das Foto ist dem Buch von Ekkehard Kraemer: "Sächsisch-thüringisches Manufakturporzellan" entnommen.

Entdeckung: Die Künstlerin im Thüringen - Atelier beim Malen genau des Deckel der neuerlich erworbenen Dose.

 

Dieses Moccaservice der Serie Orient war bis zum Mai 2025 das einzige von mir gefundene Porzellanstück, bei dem auf dem Boden der Hinweis erfolgt ist, dass es im sogenannten "Thüringen - Atelier" entstanden ist. 

 

 

Eine Kanne dieses Service ist auch im Hintergrund eines Fotos zu sehen, das Bestandteil eines Berichtes über das Thüringen - Atelier Lichte ist, der im Buch von Ekkehard Kraemer: "Sächsisch-thüringisches Manufakturporzellan" enthalten ist und dessen Inhalt ich nachfolgend verwende. Ergänzende Informationen habe ich von Gerhard Nußmann erhalten.

 

Das Thüringen - Atelier wurde im Jahre 1976 in Leben gerufen. Im Bereich der

Konsumgüter waren zu dieser Zeit die Nachfrage nach Produkten mit hohem Qualitätsstandard und Preisniveau und eine entsprechende Kaufkraft vorhanden. Unter der Vorgabe der Regierung, diese Nachfrage zu befriedigen, entstand auch das Thüringen - Atelier. Eine Handvoll auserlesener Künstler wurden angesprochen, während der Arbeitszeit und auch darüber hinaus Produkte für das Thüringen - Atelier bereitzustellen. Diese Porzellane wurden dann zur Leipziger Messe ausgestellt und konnten vom Handel geordert werden. Es handelte sich fast ausschließlich um handgemalte hochpreisige Porzellane.

 

In künstlerischer Sicht machte es sich das Thüringen-Atelier zur Aufgabe, die große Thüringer Porzellantradition zu pflegen und eine Synthese aus Überliefertem und heutigem Anspruch zu finden. Künstlerische Äußerungen vergangener Epochen auf Thüringer Porzellan wurden analysiert und wertvolle, zuweilen unterbrochene malerische Entwicklungslinien fortgeführt.

 

So nahm die Porzellanmalerei nach Vorlage alter Meister im Thüringen - Atelier einen hohen Stellenwert ein: Watteau- und Chodowiecki-Szenen, Veduten- und Landschaftsmalereien, Blumen, Blätter, Früchte, Gräser und Insekten in natürlicher oder dekorativer Auffassung.

 

Auch die Bemalung von Porzellanplatten wurde aufgegriffen und zu neuer Blüte geführt. Man nahm sich vor allem solcher Werke alter Meister an, "deren gefühlvolle Farbkontraste auf Porzellan besonders gut zur Geltung kommen."

 

Nachfolgend ein Porzellangemälde, eine Bildplatte von Gerhard Nußmann, die in die Zeit des Thüringen - Atelier fällt und daher nicht vom Maler signiert ist. Sie trägt keine Bodenmarke, da Herr Nußmann diese Porzellanplatte als Rohling selbst gefertigt hat. Es handelt sich um Johann Gottfried Herder nach dem Gemälde "Der junge Herder" von Anton Graff, 1785.

 

Wie Sie der vorstehenden Notiz entnehmen können, gab es für bestimmte Unikate des Thüringen - Atelier ein Zertifikat. Dieses können Sie nachfolgend sehen. Zu den Unikaten gehörten Porzellanbilder, Thüringer Vasen, Geschenkensembles und Mokkaservice.

Im Zertifikat heißt es: "Im "Thüringen - Atelier" unseres VEB Vereinigte Zierporzellanwerke Lichte kulminieren neue künstlerische Ideen und Potenzen. Mit den von namhaften Porzellanmodelleuren und -malern geschaffenen Exponaten des "Thüringen - Atelier" wird künstlerisches und handwerkliches Können entsprechend dem Zeitgeschmack thüringentypisch mit der Erfahrung vieler Porzellinergenerationen profiliert"

 

Neben der Bemalung von Porzellanplatten stand eine weitere Besonderheit im Interesse des Thüringen - Atelier:

die Thüringer Vase:

der Vasenkörper ist großzügig bemalt, Deckel und Henkel sind kunstvoll gestaltet und als Krönung auf dem Deckel präsentiert sich plastischer Schmuck.

 

Die Fotos entstammen dem Buch von Ekkehard Kraemer: "Sächsisch-thüringisches Manufakturporzellan".

Eng mit dem Thüringen Atelier verbunden waren unsere beiden bekannten Künstler Gottfried Stöhr und Gerhard Nußmann, die in enger künstlerischer Partnerschaft standen. Aber auch andere Künstler, wie Heinz Helk und seine Frau, Gerd Glage und Heinz Schneider waren für das Thüringen - Atelier tätig. Heinz Helk war zuständig für Bildplatten, Frau Helk, eine gelernte Malerin aus Meissen bemalte Gefäße (Pfauendekor des Services Orient). Das Ensemble Rauenstein hat Gerhard Nußmann dekoriert. Gerd Glage und Heinz Schneider führten ebenfalls hochwertige Handmalereien auf vorhandene Gefäße aus.

Gerhard Nußmann, der den Schriftzug des Thüringen-Atelier entworfen hatte und auch die entsprechenden Druckunterlagen noch besaß, hat mit dem Untergang der Porzellanindustrie in Lichte die Marke "Thüringen - Atelier" schützen und offiziell registrieren lassen. So lebt der Begriff des Thüringen - Atelier heute in der künstlerischen Tätigkeit von Gerhard Nußmann weiter. 

 

Das Frühstücksensemble Alt-Rauenstein mit einem Dekor von Gerhard Nußmann ist ebenfalls im Rahmen der Arbeit des Thüringen - Atelier entstanden.

Das war es wieder einmal von

 

Ihrer Sylvia D. geb. Koge

 

Ein kleiner Artikel im Rennsteig Echo vom 06.12.1962 berichtet von der Porzellanfabrik in Lichte, die sich als Schwerpunkt die Qualitätsverbesserung gesetzt hatte. Im Vergleich mit den westdeutschen und ausländischen Produkten lag der Betrieb in Lichte beim Hohlgeschirr  gewichtsmäßig gut. Beim Flachgeschirr mussten die Gewichte noch verringert werden. Beim Weißgehalt des Porzellans lag der Betrieb bei 70%; eine Arbeitsgemeinschaft hatte die Verpflichtung übernommen, beim Weißgehalt ein Ergebnis von 71% zu erreichen.

 

 

 

Auch im Werk in Lichte ruht die Produktion wegen Insolvenz. Nun stehen die Porzelliner von Lichte und Wallendorf vor dem endgültigen Aus.

 

Nachfolgend einige Werksansichten im Wandel der Zeiten.