Die Porzellanmalerei und Porzellanmanufaktur Langer & Jahn in Geiersthal bei Lichte in Thüringen

 

Eine Schale aus Weißporzellan von Graf von Henneberg Ilmenau wurde handbemalt in Goldreliefmalerei im Mittelspiegel und Ätzgoldkante als Randgestaltung von Langer & Jahn Geiersthal.

 

 

In dieser Schale hat mein Vater, Heinz Koge, seine Nähutensilien aufbewahrt und so habe ich es nach Durchsicht der noch verwendbaren Sachen auch gelassen...

 

 

Dies ist eines der noch erhaltenen Gebäude, das die damalige Porzellanmalerei

 

Langer & Jahn

 

in Geiersthal, einem Ortsteil von Lichte, beherbergte.

Porzellanmalerei Langer & Jahn in Geiersthal

Porzellan - manufaktur Geiersthal

Langer & Jahn in Lichte-Geiersthal

 

Liebe Leser meiner Webseite,

 

gute Nachrichten, er ist endlich bei mir angekommen, der Katalog der Porzellanmalerei Langer & Jahn in Geiersthal und so kann ich wieder ein Stück thüringische Porzellangeschichte für uns aufarbeiten.

 

Ein richtiger Katalog ist es nicht,  es handelt sich eher um Einlegeblätter in einem Umschlag.

Die Abbildungen mit den Porzellanen sind nummeriert und in der Tabelle, die sich anschließt sind sie bezeichnet in ihrer Art (Vase...), sind die Modellnummern, die Größenvarianten 0,1,2,3) und die Dekornummern angeben, die Größen in cm und ob die Variante in Elfenbeinporzellan erhältlich ist. Der Katalog scheint aus dem Jahre 1954 zu sein. Es werden Porzellane mit den Modellnummern von 1326 bis 1664 und den Dekornummern zwischen 1629 und 1778 angeboten.

 

Wie ich vermute, hat die Malerei Langer & Jahn in Geiersthal nicht nur Weißware anderer Fabriken bemalt, sondern hatte auch von anderen Firmen wie Sontag & Söhne, Heubach und Schaubach ausgediente und aufgekaufte Formen, die sie selbst ausformte und brannte. So würde ich die Formenbezeichnungen aus dem Katalog erst einmal deuten. Und somit hatte die Firma auch das Recht sich Porzellanmanufaktur zu nennen.

 

Ihre Porzelline

kobaltblaue Vase mit Blume in Goldrelief, Sockel und Mündungsrand mit Ätzgoldkante dekoriert von der Malerei Langer & Jahn in Geiersthal

Liebe Leser,

 

heute habe ich interessante Nachrichten für Sie.

 

Die Firma Langer & Jahn in Geiersthal (ein Ortsteil von Lichte) ist, wie uns Paul Lattermann, Ortschronist von Lichte, hinterlassen hat, aus der Firma Sontag & Söhne in Geiersthal (siehe meine vorhergehende Page) hervorgegangen.

 

Der eingesetzte Konkursverwalter Langer übernahm aus der Konkursmasse der Firma Sontag & Söhne Ende der 1920er Jahre das Werklager und baute mit einer kleinen Gemeinschaft von Arbeitern und Herrn Jahn unter der Regie der Sparkasse Saalfeld die Porzellanmalerei unter der Firma Langer und Jahn wieder auf. Sie bestand demnach etwa 40 Jahre lang, von 1932 bis 1972.

 

Wie ich heute exklusiv erfahren durfte, handelte es sich bei Herrn Langer um den Kaufmann Max Langer, der vorher Bürochef in der Porzellanfabrik in Wallendorf war. Als sein Sohn Hans Langer 1945 aus dem Krieg zurück kam, arbeitete auch dieser in der Firma seines Vater mit, genau wie seine junge Frau Gisela, die zu Beginn meiner Forschungen 88-jährig noch im Haus wohnte, inzwischen aber leider verstorben ist.

 

Nach und nach stieg die Anzahl der Mitarbeiter und bald waren in der Firma ca. 30 Arbeiter beschäftigt, Heimarbeiter eingeschlossen. Es entstand ein gut florierender Betrieb, der auch auf Messen vertreten war.

 

Das Weißporzellan, das in der Malerei dekoriert und dann auf eigene Rechnung verkauft wurde, kam aus Porzellanfabriken der Umgebung: aus Tettau, Gräfenthal, Ilmenau (Henneberg), Martinroda, Gräfenroda, aus Lichte und anderen Betrieben, wie auch aus der Galerie (den Bodenmarken) ersichtlich ist.

 

Die Qualität der Bemalung und Dekoration soll hervorragend gewesen sein. Es wurden in großem Maße Souvenirporzellane dekoriert. Die Stahlplatten mit Dekoren für die Ansichten der Städte und touristischen Ziele standen im Eigentum der Firma; sie sind übrigens seit 1972 spurlos verschwunden. Die Stahldruckdekore wurden teilweise noch farbig ausgestaltet, in der Art der kleinen grünen Vase, die Sie nachfolgend sehen können. Der Dekorbrand erfolgte in elektrischen Brennöfen.

 

Und Sie werden es nicht glauben, das auf der Vase abgebildete Drachenhaus in Potsdam gehört als Ausflugscafé zu meinem Leben hier dazu.

 

Porzellan für den Hapag-Lloyd Dampfer "Deutschland" von Langer & Jahn Geiersthal

  

Von der Firma Langer & Jahn in Geiersthal wurden auch Kaffee- und Speiseservice bemalt.

 

Laut Lattermann (Lichte in Thüringen, 2. Band), S. 49 unten, soll das gesamte Porzellan für den Hapag-Lloyd Dampfer "Deutschland" von der Porzellan-Manufaktur Langer & Jahn geliefert worden sein.

 

Dieser Aussage bin ich immer einmal wieder auf der Spur, habe aber noch keine porzellanenen oder sonstige Zeugnisse dafür gefunden.

 

Natürlich kann damit nicht der erste Dampfer "Deutschland" der Haag Lloyd Linie gemeint sein, der im 1900 in Dienst gestellt wurde. Wie ich herausgefunden habe, gab es noch weitere Dampfer mit dem Namen "Deutschland", so dass ich jetzt davon ausgehe, dass es sich nur um den Dampfer "Deutschland" IV handeln kann, über den ich auch einiges aus dem Internet erfahren konnte, natürlich nicht über das dort eingesetzte Geschirr. Die Suche geht daher weiter...

 

Ich zitiere aus dem Internet, weil ein Link auf die Seite nicht sicher scheint:

 

DEUTSCHLAND IV ( 1924 - 1945 )

Reederei: Hamburg – Amerika Linie ( HAPAG )

Werft: Blohm & Voss, Hamburg

Tonnage: 21046 BRT

Stapellauf: 28.04.1923

Länge: 203,40m

Breite: 21,90m

Jungfernfahrt: 27.03.1924

 

Die Deutschland war eines von vier Schiffen, die die HAPAG für dem normalen Nordatlantikdienst bauen ließ. Alle vier Schiffe sind allgemein bekannt als die Albert Ballin-Klasse, wobei die Albert Ballin und die Deutschland das erste Paar, die Hamburg und die New York mit geringfügigen Abweichungen das zweite Paar bildeten. Alle vier wurden bei Blohm & Voss gebaut. Der Stapellauf der Deutschland fand am Sonnabend den 28.April 1923 in Anwesenheit des deutschen Reichspräsidenten Ebert, die Fertigstellung am 19.Dezember des gleichen Jahres statt. Am 27.März 1924 legte sie in Hamburg zu ihrer Jungfernreise nach New York ab.

1930 erhielt das Schiff neue Turbinen und Kessel. Die nach diesem Umbau erreichte Dienstgeschwindigkeit konnte Blohm & Voss 933/34 durch die Verlängerung um 12 Meter und Modernisierung des Vorschiffes (196,8 Meter Länge) um weitere zwei Knoten auf 19,5 steigern.

Mit ungebrochener Zuverlässigkeit versah die Deutschland bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges den Nordatlantikdienst und überstand während dieser Zeit ein größeres Feuer an Bord.

Ab dem 17.Dezember 1940 diente sie als Kasernenschiff für die Kriegsmarine, Hafenneubaudirektion in Gotenhafen. Später wurde sie Wohnschiff für das U-Boot -Ausbildungsbataillon in Gdingen. 1945 war die Lage der deutschen Ostgebiete verzweifelt geworden und man musste an die Evakuierung herangehen. In dieser Zeit beförderte sie auf sieben Reisen etwa 70 000 Menschen. Dafür wurden u. a. die ex- Albert Ballin ( die jetzt Hansa hieß ), die Wilhelm Gustloff und die Cap Arcona herangezogen. Die Deutschland unternahm mehrere Reisen mit Flüchtlingen in den Westen, wobei manchmal bis zu 11000 Menschen an Bord gewesen sein sollen.

Am 30. April 1945 ging das Schiff zusammen mit der Cap Arcona, der Thielbeck und der Athen vor Neustadt in der Lübecker Bucht vor Anker. Die Deutschland befand sich in Umrüstung zum Lazarettschiff. Am 3.Mai 1945, wenige Tage vor dem Kriegsende, wurde die Deutschland von britischen Bombern an ihrem Liegeplatz versenkt. 1948 wurde das Wrack gehoben und verschrottet.

 

 

Die Firma endete zu DDR-Zeiten mit ihrer Eingliederung in die Vereinigten Zierporzellanwerke Lichte. - Dies ist ein solch nüchterner Satz, der nicht im Geringsten widerspiegelt, was damit verbunden war.

 

Mit einem einzigen schwarzen Federstrich wurde die in privatem Eigentum stehende Firma ausgelöscht.

 

Das Geschäfts- und gleichzeitig Wohnhaus wurde gegen Abfindung den Zierporzellanwerken Lichte übereignet (ging in Volkseigentum über). Hans Langer und Gisela Langer behielten Wohnrecht. Max Langer war bereits 1962 verstorben und hat die Enteignung nicht erleben müssen.

 

Hans Langer wurde in der Leitung der Abteilung Lehrlingsausbildung im Zweigbetrieb Bock und Teich eingesetzt, die Ehefrau Gisela fand noch 16 Jahre lang Arbeit im Zweigbetrieb Lichte.

 

Im Jahre 1975 wurde das Künstlerkollektiv des VEB Vereinigte Zierporzellanwerke Lichte zeitweise in die ehemalige Betriebsstätte Langer & Jahn in Geiersthal "umgesiedelt".

 

Das war es erst einmal, was ich bisher herausfinden konnte.

 

Und nun viel Freude mit Porzellanen, die von den Mitarbeitern der  Malerei Langer & Jahn dekoriert wurden.

 

 

 

Heubachvase, bemalt von Langer & Jahn

 

Porzellan aus Ilmenau, Graf von Henneberg, bemalt von Langer & Jahn

 

Wie aus einem Handbuch der Leistungsfähigkeit der gesamten Industrie aus dem Jahre 1874 hervorgeht das ich gerade erst entdeckt habe, hat es in Wallendorf bereits um 1874 eine Porzellanmalerei Gebrüder Langer, gegründet im Jahre 1858 von den Inhabern Emil und Ant. Langer gegeben.

 

Bei Stieda kurz nachgeschaut und auf meiner Porzellinerseite bestätigt finden Sie, dass bereits in den Jahren von 1764 bis 1797 der Buntmaler Josef Adam Langer in der Hammannschen Porzellanfabrik in Wallendorf beschäftigt war.

 

Ob diese Herren Langer Vorfahrens der Herren Langer der Malerei Langer & Jahn waren, muss ich allerdings erst noch herausfinden. 

 

 

Ergänzend möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass es in Wallendorf im Jahre 1874, wie wir aus dem Handbuch ersehen können, noch die Porzellanmalerei Gebrüder Kern, 1840 gegründet von Heinrich, August und Magnus Kern, die die Einheimischen als "Papp-Kern" kennen, die 1836 gegründete Porzellanmalerei Traugott Liebmann, die 20 Arbeiter beschäftigte, sowie die Porzellanmalerei, Schieferwaren- und Puppenfabrik Th. Buschbaum, 1859 gegründet von Theodor Heinrich Buschbaum gab.

 

Nun, das waren wieder meine Neuigkeiten!

 

Ihre Porzellanforscherin

de Dietrich