Ausstellungen & sonstige Highlights

Thüringen - Atelier

               Porzellan - Geschichte(n)

   

Da bin ich wieder für Sie, Ihre Porzellan-Reporterin

 de  K o g e n 's  Sylvia,

mit meinen Geschichten rund um's Porzellan.

 

Thüringen - Atelier

 

Liebe Leser,

  

heute möchte ich Ihnen über das Thüringen - Atelier des VEB Vereinigte Zierporzellanwerke Lichte berichten und was daraus geworden ist.

 

Vorerst eine kleine Kostprobe an Porzellan, dessen Wiege das Thüringen - Atelier Lichte ist.

 

Und die Kostprobe ist brandneu und im Mai 2025 in die Sammlung eingegangen, das einzige Stück, das ich seit 2018 finden konnte:

 

handmalerei aus dem thüringen - Atelier

Das Foto ist dem Buch von Ekkehard Kraemer: "Sächsisch-thüringisches Manufakturporzellan" entnommen.

Entdeckung: Die Künstlerin im Thüringen - Atelier beim Malen genau des Deckel der neuerlich erworbenen Dose.

 

Dieses Moccaservice der Serie Orient war bis zum Mai 2025 das einzige von mir gefundene Porzellanstück, bei dem auf dem Boden der Hinweis erfolgt ist, dass es im sogenannten "Thüringen - Atelier" entstanden ist. 

 

 

Eine Kanne dieses Service ist auch im Hintergrund eines Fotos zu sehen, das Bestandteil eines Berichtes über das Thüringen - Atelier Lichte ist, der im Buch von Ekkehard Kraemer: "Sächsisch-thüringisches Manufakturporzellan" enthalten ist und dessen Inhalt ich nachfolgend verwende. Ergänzende Informationen habe ich von Gerhard Nußmann erhalten.

 

Das Thüringen - Atelier wurde im Jahre 1976 in Leben gerufen. Im Bereich der

Konsumgüter waren zu dieser Zeit die Nachfrage nach Produkten mit hohem Qualitätsstandard und Preisniveau und eine entsprechende Kaufkraft vorhanden. Unter der Vorgabe der Regierung, diese Nachfrage zu befriedigen, entstand auch das Thüringen - Atelier. Eine Handvoll auserlesener Künstler wurden angesprochen, während der Arbeitszeit und auch darüber hinaus Produkte für das Thüringen - Atelier bereitzustellen. Diese Porzellane wurden dann zur Leipziger Messe ausgestellt und konnten vom Handel geordert werden. Es handelte sich fast ausschließlich um handgemalte hochpreisige Porzellane.

 

In künstlerischer Sicht machte es sich das Thüringen-Atelier zur Aufgabe, die große Thüringer Porzellantradition zu pflegen und eine Synthese aus Überliefertem und heutigem Anspruch zu finden. Künstlerische Äußerungen vergangener Epochen auf Thüringer Porzellan wurden analysiert und wertvolle, zuweilen unterbrochene malerische Entwicklungslinien fortgeführt.

 

So nahm die Porzellanmalerei nach Vorlage alter Meister im Thüringen - Atelier einen hohen Stellenwert ein: Watteau- und Chodowiecki-Szenen, Veduten- und Landschaftsmalereien, Blumen, Blätter, Früchte, Gräser und Insekten in natürlicher oder dekorativer Auffassung.

 

Auch die Bemalung von Porzellanplatten wurde aufgegriffen und zu neuer Blüte geführt. Man nahm sich vor allem solcher Werke alter Meister an, "deren gefühlvolle Farbkontraste auf Porzellan besonders gut zur Geltung kommen."

 

Nachfolgend ein Porzellangemälde, eine Bildplatte von Gerhard Nußmann, die in die Zeit des Thüringen - Atelier fällt und daher nicht vom Maler signiert ist. Sie trägt keine Bodenmarke, da Herr Nußmann diese Porzellanplatte als Rohling selbst gefertigt hat. Es handelt sich um Johann Gottfried Herder nach dem Gemälde "Der junge Herder" von Anton Graff, 1785.

 

Wie Sie der vorstehenden Notiz entnehmen können, gab es für bestimmte Unikate des Thüringen - Atelier ein Zertifikat. Dieses können Sie nachfolgend sehen. Zu den Unikaten gehörten Porzellanbilder, Thüringer Vasen, Geschenkensembles und Mokkaservice.

Im Zertifikat heißt es: "Im "Thüringen - Atelier" unseres VEB Vereinigte Zierporzellanwerke Lichte kulminieren neue künstlerische Ideen und Potenzen. Mit den von namhaften Porzellanmodelleuren und -malern geschaffenen Exponaten des "Thüringen - Atelier" wird künstlerisches und handwerkliches Können entsprechend dem Zeitgeschmack thüringentypisch mit der Erfahrung vieler Porzellinergenerationen profiliert"

 

Neben der Bemalung von Porzellanplatten stand eine weitere Besonderheit im Interesse des Thüringen - Atelier:

die Thüringer Vase:

der Vasenkörper ist großzügig bemalt, Deckel und Henkel sind kunstvoll gestaltet und als Krönung auf dem Deckel präsentiert sich plastischer Schmuck.

 

Die Fotos entstammen dem Buch von Ekkehard Kraemer: "Sächsisch-thüringisches Manufakturporzellan".

Eng mit dem Thüringen Atelier verbunden waren unsere beiden bekannten Künstler Gottfried Stöhr und Gerhard Nußmann, die in enger künstlerischer Partnerschaft standen. Aber auch andere Künstler, wie Heinz Helk und seine Frau, Gerd Glage und Heinz Schneider waren für das Thüringen - Atelier tätig. Heinz Helk war zuständig für Bildplatten, Frau Helk, eine gelernte Malerin aus Meissen bemalte Gefäße (Pfauendekor des Services Orient). Das Ensemble Rauenstein hat Gerhard Nußmann dekoriert. Gerd Glage und Heinz Schneider führten ebenfalls hochwertige Handmalereien auf vorhandene Gefäße aus.

Gerhard Nußmann, der den Schriftzug des Thüringen-Atelier entworfen hatte und auch die entsprechenden Druckunterlagen noch besaß, hat mit dem Untergang der Porzellanindustrie in Lichte die Marke "Thüringen - Atelier" schützen und offiziell registrieren lassen. So lebt der Begriff des Thüringen - Atelier heute in der künstlerischen Tätigkeit von Gerhard Nußmann weiter. 

 

Das Frühstücksensemble Alt-Rauenstein mit einem Dekor von Gerhard Nußmann ist ebenfalls im Rahmen der Arbeit des Thüringen - Atelier entstanden.

Das war es wieder einmal von

 

Ihrer Sylvia D. geb. Koge

Liebe  Leser,

 

natürlich hat mich mein Weg auch nach Schwarzburg zum Schloss Schwarzburg geführt.

 

Gerade ist mir ein Reisebericht von Erika Vorbusch aus dem Jahre 1914 in die Hände gefallen, der vielleicht von historischer Bedeutung ist, da er auch die Inneneinrichtung des Schlosses Schwarzburg im Jahre 1914 beschreibt. Daher möchte ich diese Fundstellen zitieren:

 

"Schloß Schwarzburgs mit Döschnitzer Marmor und Alabaster geschmückte Räumlichkeiten sind der Gegenstand längerer Beschreibungen jedes Führers durch Thüringen. Wer aber in Abwesenheit des Fürstenpaares durch die weiten Hallen, die endlos langen Korridore und architektonisch merkwürdigen Säle schreitet, belebe sie sich durch den Glanz fürstlichen Gepränges. Sobald die Dämmerung sinkt, eilen buntlivrierte Lakaien, silberne Leuchter in den Händen, geräuschlos durch die teppichbelegten Hallen. Auf den Stufen der Treppe zum Kuppelsaal nehmen sie Stellung."

 

Und jetzt gebe ich noch zum Besen, welcher Begrüßungszeremonie man als Gast ausgesetzt war:

 

"Und jetzt Fremdling, der Du unvermutet der Auszeichnung einer Einladung teilhaftig wurdest oder den Hausgebrauch auf Schloss Schwarzburg nicht kanntest, erzittere! Nichts Geringeres verlangt man von dir, als dass du den Trunk aus der "goldenen Henne", einem alten Trinkgefäß auch Schwarzagold, das dir der Diener bald nach der Suppe präsentiert, mit einem selbstgefertigten Toast in zierlichen Reimen begleitest. Wehe dir, wenn deine dichterische Begabung in dieser Stunde der Prüfung versagt. Ein anderer Lakai hält schon das "Quälglas" bereit, daß du, so hart auch die Prozedur, unter Halsverrenkungen zum Vergnügen der Tafelrunde bis auf den letzten Tropen leeren muss. Und noch ein anderer Verstoß kann dich zu dieser mittelalterlichen Tortur verdammen. Sprich nie von jenem ehrwürdigen Eichenast, den dir ein dritter Bedienter zum "Schwarzburger Willkomm" an eiserner Kette um den Hals legt, in despektierlicher Weise als einem Klotz. Dieses wundervolle Geschmeide, wie du den ebenso schweren wie ungewohnten Schmuck zu benennen hast, symbolisiert die Schwelle des Hauses, die du zum ersten mal als Gast überschritten hast. Hat sich dein Rednertalent und die Kunst, in allen Lebenslagen - auch einem Holzklotz gegenüber - den guten Ton zu bewahren, glänzend bewährt, so darfst du dich mitsamt deinem Sprüchlein nach Tisch in das "goldene Hennenbuch" eintragen, die kostbar ausgestattete Gästechronik des Hauses Schwarzburg... 

 

Goethe muß wohl nicht zur fürstlichen Tafel gezogen sein, da sein Namenszug im "goldenen Hennenbuch" fehlt. Besucht hat er Schloß Schwarzburg gewiss, wie die von ihm gefertigte Federzeichnung beweist, deren Original sich jetzt im Goethehaus zu Weimar befindet. Schillers Lotte hat sich auf einem Blatt verewigt, ebenso Karoline von Wolzogen, Jean Paul und auch Kaiser Wilhelm I.

 

Noch viele Raritäten gab es für mich zu bewundern. Jeder der hohen Lehnstühle, die wappengeziert in fortlaufender Reihe die Wände des großen Speisesaals schmücken, ist eigenhändig von einer Prinzessin des Hauses gestickt, ehe sie ihrem Gemahl zuliebe das väterliche Schloß verließ. Ein geschnitzter pergamentüberzogener Kasten in Gestalt des Schwarzburger Löwen, eine prächtige Arbeit aus dem 13. Jahrhundert und als solche von unschätzbarem Werte, ist ein würdiges Gegenstück zur goldenen Henne. Ringsum auf Tischen und Wandbrettern eine Sammlung wunderlicher Spielereien des Mittelalters, Humpen deren Inhalt sich beim Ansetzen durch eine Anzahl kleiner Löcher wohl auf die Brust des Durstigen, nie aber in seine Kehle ergoß. Kanonenbecher, die dem ahnungslosen Trinker eine Ladung Pulver ins Gesicht spien, und was dergleichen Neckereien mehr sind.

 

Nach beendigter Tafel ordnet sich der Zug. Am Arm des Oberhofmarschalls von Priem trete ich in den glänzend erleuchteten Salon. Tannengrün und Heidekraut füllt in dichten Büschen riesige Kübel. Laut knacken in glühendem Feuerschein die aufgehäuften Holzmassen. Die rote Glut zuckt phantastisch über die mächtige Quadern ungestuckten Ruhpolder Marmors, die den lodernden Feuerzauber einfassen. Alles ist schloßartig in diesem Raum, übergroß. Über das Feuer, die Blumen, die warmen Farben der Teppiche und Wandverkleidungen lassen keine Unbehaglichkeit in dem weiten Saal aufkommen... "

 

Kunstkalender 2025 - Gerhard Nussmann

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Da bin ich wieder für Sie, Ihre Porzellan-Reporterin

 de  K o g e n 's  Sylvia,

mit meinen Geschichten rund um's Porzellan.


Meine Hausausstellung -  Home Exhibition

 

Liebe Leser,

 

wie Sie sich sicher denken können, habe ich meine Recherchen rund um das Porzellan von Lichte und seiner umliegenden Orte damit verbunden, die entsprechenden Porzellane auch zu erwerben und zu sammeln.

 

Heute möchte ich Ihnen berichten, dass ich im Verlaufe der letzten acht Jahre eine repräsentative Sammlung von Porzellanen der Marken Schaubach-Kunst, Wallendorf, Heubach und Lichte Porzellan zusammengestellt habe. Dies ist nicht in erster Linie figürliches Porzellan, denn mehr als dieses haben es mir die Gefäße angetan.

 

Ich habe die Ausstellung in meinen Haushalt integriert und so ist eine schöne Symbiose entstanden, in der ich jeden Tag leben kann.

 

Nach und nach habe ich die Blue Galerie, The Orange Kitchen, The Green Living Room, The Pink Bedroom und The Red Winter Garden mit schönen Stücken angefüllt. 

 

Ich werde, ungeachtet des steinigen Weges, gepflastert mit unsäglichen Machenschaften gegen meine Person, versuchen dafür Sorge zu tragen, dass diese Porzellane Ihnen und der Nachwelt für immer erhalten bleiben.

  

Ihre Sylvia D. geb. Koge

 

Wertschätzung  des  Porzellans

 

So oder so ähnlich, liebe Leser, waren wir von Kindes Beinen an mit der Porzellanherstellung in unseren Heimatorten in Thüringen verbunden:

 

 

Erinnerungen eines Reichmannsdorfers:
"Ich war als Kind oft in der Fabrik bei Oma und Tante.
Aus heutiger Sicht finde ich es Wahnsinn, wie altertümlich in Reichmannsdorf bis zum Schluss produziert wurde. Es gab bis auf die Massenmühle, das Rührwerk für Glasur und Schlicker, den umlaufenden Aufzug für die Planken, auf denen die Figuren standen und die Hubwagen, eigentlich keine Maschinen. Es wurde alles in Handarbeit gemacht.
Es gab die "Former" (keine Ahnung, ob man die so bezeichnet hat), die die Gipsformen für den Guss der Figuren hergestellt haben. Die Gießer, wie meine Oma oder Tante, haben die Figuren gegossen, und die Einzelteile zusammengesetzt. Ein Hirsch bestand aus dem Körper, den Beinen, dem Geweih und dem Sockel. Das alles musste kurz nach dem Gießen in weichem Zustand zusammengesetzt werden. Dann wurde nach einem Tag Trockenzeit der Grad, der beim Gießen entsteht, von den Figuren entfernt. 
Manchmal durfte ich mithelfen und Figuren "putzen", d.h. den Grad der durch das Gießen entsteht von den Figuren entfernen. Man musste ganz schön feinfühlig sein, um keine Figur kaputt zu machen.
Die Spitzenfiguren wurden in mehreren Arbeitsschritten hergestellt. Zuerst die Rohfigur, wie alle anderen auch. Dann wurde die Spitze in Porzellanmasse getaucht und in mehreren Lagen faltig auf die Figuren aufgelegt. Dabei kam es darauf an, die Falten gleichmäßig zu legen. Beim Brennen verbrennt dann der Stoff und es bleibt das Porzellan in der Form der Spritze übrig. Echte Kunstwerke - da habe ich früher stundenlang zugesehen.
In der mittleren Etage war die Malerei und die Glasur. Es gab dort auch Porzellanmaler. Nur hatten die schon in den 60ziger Jahren das System des "Airbrusch" genutzt. Die Gesichter wurden herkömmlich bemalt. Doch die Farbe auf den Flächen wurde gesprüht. Ich habe damals als Kind oft daneben gestanden und mit großem Interesse zugesehen. Es gehört eine große Geschicklichkeit dazu, dass alle Figuren gleich aussehen.
Auf den über 2 Meter langen Planken wurden die Figuren dann zum Fahrstuhl getragen. Für Frauen eine viel zu schwere Arbeit. Das alles war in der oberen Etage.
Hier war auch die Glühe. Ich weiß nicht mehr genau, wozu diese genutzt wurde. Es ist jedenfalls der Teil oberhalb des Brennofens. Beim Brennen wurden hier die bemalten, oder glasierten Figuren bei etwa 700 °C "vorgeglüht".
 
Im Erdgeschoß ist der Brennofen, wo alles bei etwa 1100° gebrannt wurde. Ich bin auch mit dem Hubwagen um den Ofen gefahren.
Die Figuren wurden in Schamottekapseln gestellt. Die Kapseln wurden dann per Hand im Ringofen aufgestapelt. Dann wurde die Ofentür zugemauert. Am Donnerstag Morgen wurde der Ofen angeheizt und in der Nacht zum Freitag war der "Brand", das scharfe Schüren. Das heißt, es wurde so lange geheizt, bis die richtige Temperatur im Ofen erreicht war. Das konnte über ein Sichtloch mittels "Schmelzkegeln", die im Ofen aufgestellt waren, kontrolliert werden. Es gab drei Kegel. Wenn der 3. Kegel zu schmelzen begann, wurde das Feuer zurückgefahren, und der Ofen konnte über das Wochenende abkühlen. Eine riesen Plackerei. Hier haben Opa und Onkel C. gearbeitet. Sie mussten alle Kohlen bzw. den Koks mit der Schubkarre von draußen rein fahren und über die acht Einfülllöcher des Ofens in die Feuerkammer füllen. Das waren pro Brennvorgang mehrere Tonnen.
Am Montag, oder Dienstag (weiß ich nicht mehr genau), wurde die Ofentür wieder

aufgebrochen. Im Ofen waren noch etwa 70 bis 90° und es war unheimlich warm im Brennraum. Dann wurden die Kapsel herausgetragen und die Figuren heraus genommen. Einige Teile mussten noch einmal in die Malerei. Um Aufglasurmalereien (ich glaube die Goldsachen) zu machen. Der Rest ging direkt in die Packerei neben dem Brennraum.

 

Hinter dem Brennraum war die Massenmühle. Diese wurde noch bis zum Schluss mit einem Transmissionsriemen angetrieben. Früher gab es hier wohl eine Dampfmaschine. Ich kenne aber nur den großen E- Motor. 
 
Insgesamt war es eine ziemlich schwere Arbeit, eigentlich bis zum Schluss fast genau wie vor hundert Jahren. Aus heutiger Sicht unfassbar.
Wie besprochen hier einige Bilder aus dem Porzellanmuseum in Reichmannsdorf. Solche und noch andere Figuren wurden in Reichmannsdorf hergestellt. Es waren Hunde, Katzen, Tauben und andere Vögel, Hirsche, Pferde und natürlich Engel in allen Formen, die Spitzenfiguren und Tänzerinnen nicht zu vergessen. Die Kutschen wurden glaube ich in Gräfenthal hergestellt und Reichmannsdorf gehörte ja zuletzt zu Gräfenthal, vorher aber auch zu Lichte."
 

 

"Porzellan altert nicht. Es behält Farbe, Form und Festigkeit für alle Zeit.

Welten gehen, Porzellan bleibt.

 

er folgen Zitate von Tom Saller aus seinem Buch: "Ein neues Blau":

 

aus der Geschichte der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin - KPM Berlin

 

"Ein und ein halbes Jahrhundert, in dem sie in ihrem dunklen Versteck geschlummert und gewartet hat. Ein und ein halbes Jahrhundert, in dem Revolutionen das Land erschüttert haben, Kriege geführt und Reiche gegründet wurden. In denen ein Kaiser abgedankt und die Republik Einzug gehalten hat. Doch all das nur ein Wimpernschlag in der Zeit.

 

Gesteinsschichten, die der Landschaft Millionen Jahre lang ein Gesicht verliehen, sich mit ihr verändert haben. Augen, Ohren und Mund gewesen sind. Von der Sonne geblendet, vom Heulen des Windes betäubt; Regen, der in Risse und Ritze eingedrungen ist. Bis der Rhythmus der Entstehung und Anpassung, des Wandels und Fortschreitens gestört, die Natur aus dem Takt gebracht wurde.

 

Dreimal klopft der Inspizient mit seinem Stab auf den Boden, und aus der Kulisse tritt - der  Mensch. 

 

Mit einem Mal Lärm, Hektik, Betriebsamkeit. Brutal wird der Boden aufgerissen, Erde abtransportiert. Erde, die mehr ist als die Summe ihrer Einzelteile - Kaolin, Feldspat und Quarz - die woher stammt? ... Unwichtig. Porzellanerde ist es. Rein und unverfälscht. 

 

Zahllose Hände, durch die die bis dahin unberührte Materie geht. Kinderhände, Männerhände, Frauenhände.  Die Hände alter Menschen, junger, gebildeter und einfacher.

 

Das Material wird gemischt, geformt, gebrannt, glasiert.

 

Und aus dem vielen wird eins."  

 

Ich dachte immer, Porzellan sei unzerbrechlich; unter normalen Umständen wenigstens. Aber das stimmt nicht...."Oma hat das Service zur Hochzeit bekommen. Es heißt Kurland, und ich finde es", ihre Stimme stockt, "für immer schön. Weil - mehr habe ich nicht von Ihr." ... Sie stellt ihre Kaffeetasse zur Seite und dreht den Unterteller um. Irgendein blauer Stempel ist zu sehen. Sieht aus wie eine Tätowierung, "Das Signet der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin", stellt Mutter zufrieden fest. "Ein Zeichen höchster Qualität."

 

...Damit haben Sie einige der wichtigsten Grundeigenschaften des Porzellans kennengelernt...Es ist geruchs- und geschmacksneutral und im Normalfall sehr stabil. Wenn ich Sie jetzt noch daran erinnern darf, dass man es wunderbar reinigen kann und es selbst nach dauerhaftem Gebrauch keine Abnutzungsspuren zeigt, dann wissen Sie, weshalb dieser Stoff sich in den zurückliegenden Jahrzehnten in den Haushalten der Menschen, insbesondere in ihren Küchen, Bädern und Speisezimmern, so sehr durchgesetzt hat. Sie finden dort kaum noch Holzschalen oder Blechnäpfe. Außerdem ist das Porzellan längst kein Produkt mehr ausschließlich für die Reichen und Mächtigen, jedenfalls nicht, wenn wir über Gebrauchsporzellan reden. Nein es ist ein zutiefst demokratischer Stoff, der maßgeblich dazu beiträgt, den Lebensstandard der Menschen anzuheben. Ihre Eß- und Trinkgewohnheiten haben sich verändert, ihr Verständnis für Hygiene ist gewachsen. Die Unterschiede zwischen den jeweiligen Gesellschaftsschichten werden in diesem Bereich immer kleiner...

 

...Überall wird gehauen, gefräst und gesägt, um die Gipsformen herzustellen, die als Ausgangpunkt für zukünftige Teller, Vasen, Tassen und weitere Gegenstände dienen. Je nachdem, was gefertigt wird, ...wird die Porzellanmasse gedreht oder gegossen. Lillis Blick fällt auf mehrere große rotierende Scheiben, die von je einem Arbeiter mit einem Fußpedal angetrieben werden. An der einen Scheibe wird die graue unscheinbare Masse in die sich drehende Form hineingedrückt, an einer anderen wächst unter fachkundigen Händen ein bauchiges Gebilde in die Höhe, welches unschwer als Krug zu erkennen ist. Nur wenige Meter davon entfernt gießt ein Mann in einem weißen Kittel flüssige Porzellanmasse aus einer Kanne in die Öffnung einer rechteckigen Form.

 

...und hier sehen Sie unsere Malerfürsten am Werk! Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, jeder einzelne von ihnen ist ein Meister an Pinsel und Palette! 

 

...In der Porzellanfertigung, finde ich, ist es nicht anders; mithilfe des schöpferischen Funkens wird aus etwas zutiefst Irdischem - aus Kaolin, Quarz und Feldspat, wie ich inzwischen weiß - etwas, wie soll ich sagen, überirdisch Schönes...Und wäre die Porzellanherstellung dann nicht wirklich eine Art Religion? Eine Religion, in deren Zentrum die Idee der Schönheit steht?... 

 

 

 

aus "Schwäne in Weiß und Gold, Geschichte einer Familie" von Christine von Brühl

über das Schwanenservice:

 

 

"Der Großteil des Porzellans war sorgsam verwahrt worden, ... Bei großen Festen...wurden auch diese Teile hervorgeholt, ...

 

Dann lebten die alten Zeiten wieder auf, zahlreiche Gäste waren zugegen, die das Porzellan zu schätzen wussten und sich daran erfreuten. Jeder Anwesende, die Verwandten, Nachbarn und Freunde, durften gleichermaßen daran teilhaben, wurde dadurch geehrt und mit einbezogen. Diese Feste stellten Höhepunkte des Lebens der Familie dar, Zeiten, auf die sie sich gebührend vorbereitete und die sie nie wieder vergaß. Sie waren mit starken Emotionen verbunden, dienten dem Zusammenhalt und waren letztlich Ausdruck der eigenen Identität. Kein Wunder, dass sich das Porzellan, das an solchen Tagen genutzt wurde, unauslöschlich mit dem Selbstverständnis der Brühls verband. Sie betrachteten es als ihre ureigenste Aufgabe, der Nachwelt diesen Schatz zu bewahren."  

 

Ludwig Deubner, "Thüringer Porzellan", Zeitschrift: die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst, 24. Jahrgang, 1911.

 

"Wohl ist schon das kostbare Material an sich in seinem reinen Weiß und mit dem milden Glanz der Glasur reich an vornehmer Wirkung und zarten Reizen, aber die verschiedenen Möglichkeiten, die es der koloristischen Behandlung bietet, machen es so recht geeignet, unserer Sehnsucht nach frischen leuchtenden Farben, Erfüllung zu bringen."

 

 

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Ausstellung  "Glanzstücke" Ilmenauer Porzellans

 

im GoetheStadtMuseum Ilmenau. 

 

2. Oktober 2021 bis zum 4. September 2022 

 

 

"Glanzstücke" sind es in der Tat, die die Besucher im GoetheStadtMuseum in Ilmenau erwarten. Gerade von dort zurück umhüllt mich noch der Zauber, der dem Ilmenauer Porzellan innewohnt.

 

Ihre Porzelline

Liebe Porzellanliebhaber,

 

wie ich selbst erfahren durfte, ist das Anschauen der Porzellane im Internet natürlich nur das halbe Vergnügen.

 

Bei meinen Besuchen in den verschiedensten Ausstellungen in Eisfeld, Reichmannsdorf, Kahla/Leuchtenburg, Rudolstadt, Fraureuth, Werdau, Potsdam, Meißen, Hohenberg an der Eger und Berlin (KPM) habe ich festgestellt, dass die Vorstellung von der Größe der Stücke und den Farben sowie der Gesamteindruck des Porzellanstücks oft ein ganz anderer ist, wenn man die Porzellane in natura vor sich sieht. Daher kann ich Ihnen nur wärmstens empfehlen, sich auf den Weg in die Ausstellungsorte zu machen und dort einen kulturvollen, entspannten Tag zu verbringen.

 

Insofern soll meine Web-Galerie nur einen Überblick über die vorhandene Vielfalt der Porzellane vermitteln und Lust auf mehr machen, Lust diese ebenfalls zu erwerben und zu sammeln oder einfach nur Anregung für einen Besuch der vielfältigen Ausstellungen sein mit einer kleinen Basis an Wissen über die Dinge im Marschgepäck. 

 

 

Ihre Porzelline de Dietrich

 

 

Und da sind sie auch, die Ausstellungen, die ich Ihnen bisher ankündigen durfte.

 

 

Ausstellung Fritz

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Ausstellung Piesau

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Meissner Impressionen

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Ausstellung zur Fotografie von Balduin Haag, organisiert von Michael Zürner in Hohenberg an der Eger und dem Stadtarchiv Hohenberg

                

 

 

Liebe Leser,

 

heute gibt es nach langer Zeit wieder einmal interessante Neuigkeiten von unserer Familie Haag und es gibt eine Ausstellung anzukündigen:

 

Balduin Haag, in Lichte geboren, war, wie ich Ihnen bereits berichtet habe, neben seiner Tätigkeit als Modelleur in der Porzellanfabrik von C.M. Hutschenreuther in Hohenberg auch einer der ersten Hobby-Fotografen seiner Zeit und an seinem Wohnort Hohenberg an der Eger.

 

 

 

Wie Sie auf dessen Webseite erfahren konnten, ist es einem Nachfahren von Balduin Haag, dem Hobby-Fotografen Michael Zürner gelungen, die alte Kamera von Balduin Haag wieder in Gang zu bekommen. Alles funktioniert, sowohl die Kamera, als auch die Technik, die alten Glasplatten von Balduin Haag, die im Hause Haag-Zeitler-Zürner die Zeiten überdauert haben, zu beschichten. Einen kleinen Einblick davon erhalten Sie ja schon auf der vorgenannten Website.

 

Die Bemühungen um die Bewahrung und Aufarbeitung des fotografischen Nachlasses von Balduin Haag gipfeln nun in einer Ausstellung, die ich Ihnen heute ankündigen darf.

 

Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Hohenberger Stadtarchiv organisiert wurde, wurde am 30.6.2017 ab 17:00 im Vortragssaal des Ärztehauses in Hohenberg an der Eger eröffnet. Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, dabei zu sein.
Zu sehen sind Aufnahmen, die von Balduin Haag selbst gemacht wurden; es handelt sich sowohl um originale Glasplattennegative aus dem Bestand von Michael Zürner, die vom Archiv digitalisiert wurden, als auch um Aufnahmen, die im Archiv bereits als Positive vorlagen.
Am Tag der Eröffnung hat Michael Zürner mit seinem Vortrag eine kurze Einführung gegeben und stand im Anschluss auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.
Nun bleibt mir nur noch, den Organisatoren ein gutes Gelingen und allen Besuchern viel Freude und anregende und bleibende Eindrücke zu wünschen.
Und wenn Sie noch mehr über die Familie Haag in Lichte/Thüringen und Hohenberg an der Eger erfahren möchten, dann schauen Sie doch auf meine Seite Carl Haag's Söhne.
Ihre Fotoreporterin

de Dietrich

 

Wallendorfer Porzellan

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