Im Jahre 1981 erfolgte der Zusammenschluss der Sitzendorfer Porzellanfabrik mit den ehemaligen Porzellanfabriken Karl Ens und Rudolf Kämmerer in Rudolstadt -Volkstedt und Eingliederung in das VEB Kombinat Schmuck und Porzellan Rudolstadt.
Daher werden die Porzellanfabriken Karl Ens und Rudolf Kämmerer in Rudolstadt -Volkstedt hier aus der Seite des Sitzendorfer Porzellans aufgeführt, siehe unten:
Liebe Leser,
ich habe auch noch eine Broschüre mit Figuren aus Porzellan des VEB Sitzendorfer Porzellanmanufaktur Rudolstadt gefunden, die ich jetzt noch eingestellt habe. In diesem Katalog finden Sie auch Porzellan der Porzellanfabriken Karl Ens in Rudolstadt -Volkstedt und Rudolf Kämmerer in Rudolstadt -Volkstedt und Informationen über deren Entstehung und deren Wirken. Zum Ende der Seite zu gibt es auch einen separaten Katalog der Porzellanfabrik Karl Ens.
Da bin ich wieder für Sie, Ihre Porzellan-Reporterin
de K o g e n 's Sylvia,
mit meinen Geschichten rund um's Porzellan.
Liebe Leser,
ich war wieder einmal auf den Spuren des Thüringer Porzellans für Sie unterwegs.
Mein Weg hat mich dieses Mal in das Tal der Schwarza geführt, mit erster Station in Cursdorf, dann weiter nach Sitzendorf und mit letztem Aufenthalt in Rudolstadt-Volkstedt.
Ich habe eine Weile gebraucht und musste erst einmal die gewonnenen Eindrücke auf mich wirken lassen, bevor ich darüber berichten konnte.
Denn ehrlich gesagt, sind es nur noch Spuren ehemaligen Wirkens von Thüringer Porzellanmanufakturen, Überbleibsel einer einstmals blühenden Porzellanlandschaft in Thüringen - still gelegtes Leben eben...
Dies vor Ort zu erleben macht weitaus betroffener als Meldungen in den Medien über das Aus dieser oder jener Porzellan Manufaktur in Thüringen. Auch der Schein, der in den Medien erweckt wird, die eine oder andere Porzellan Manufaktur wäre noch tätig, trügt beim genaueren Hinsehen und täuscht nur darüber hinweg, dass es einfach mal aus und vorbei ist.
Das was bleibt ist:
Wir treten ein in einen schönen hellen Raum, Showroom und Verkaufsraum zugleich, der die
Schätze der Porzellankunst von
Kati Zorn
beherbergt, die uns unweigerlich in ihren Bann ziehen.
Modern, frech und frivol muten sie an, die porzellanenen Kunstwerke von Kati Zorn.
Direkt neben dem Schauraum die Werkstätten, eine Formerei/Gießerei und eine Malerstube, in der es so verführerisch und geheimnisvoll duftet, wie in alten Zeiten Thüringer Porzellanmalerei. Und natürlich gibt es auch ihn, den Ort, in dem diese Kunstwerke erdacht werden, schöpferisches Zentrum der Manufaktur, die eher ein Atelier ist, in der neben der Künstlerin nur noch eine Porzellanmalerin beschäftigt ist.
Natürlich erwirbt man ein Stück handgefertigtes Porzellan, das bleibt und die Erinnerung wachhält.
Schauen Sie doch einmal in der Manufaktur in Cursdorf vorbei, wenigsten via Webseite: www.katizornporzellan.de
Die zweite Station, eher ein Versuch, ob es gelingen könnte, begann etwas holprig, "bei Herrmann's dreimal klingeln" und noch ein Anruf und dann kam sie tatsächlich persönlich vorbei, über den Hof des ehemaligen Werkgeländes, jetzt auch als Lebensmittelmarkt genutzt, in den hinteren Teil zu einer niedrigen Halle, von der wir nicht dachten, dass sie es ist... Da kam sie also, die Eigentümerin höchst persönlich und es eröffnete sich vor uns Herrmann's Wunderland, der Sitzendorfer Porzellan Tempel mit alle seinen Schätzen an Sitzendorfer Porzellanen des letzten Jahrhunderts.
Also, dann machen Sie sich doch auch auf den Weg, aber melden Sie sich besser telefonisch vorher an. Informationen erhalten Sie auf der Webseite: www.Sitzendorfer-porzellan.de
Es erwarten Sie jahrzehntealte Schätze Sitzendorfer Porzellans in ungewöhlichem Ambiente:
Kronleucher , Wandkonsolen, Wandspiegel, Lithophanien, Tische, Waschbecken, Springbrunnen neben Figuren, Figurengruppen und Kutschen.
Mehr über das Sitzendorfer Porzellan erfahren Sie auf meiner diesbezüglichen Webseite. Klicken Sie doch einmal einmal rein.
Die dritte Station war die Ausstellung in Rudolstadt-Volkstedt in der Gläsernen Manufaktur. Dort erwartet Sie eine wunderbare Ausstellung der Porzellane der Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst und der Aeltesten Volkstedter Porzellanmanufaktur, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen, auch wenn ich nie dazu gekommen bin, darüber zu berichten. Und wenn Sie es nicht schaffen, nach Rudolstadt-Volkstedt zu kommen, dann besuchen Sie wenigstens die schön gestaltete Webseite:
https://www.die-porzellanmanufakturen.de/Marken/Aelteste-Volkstedter-Porzellanmanufaktur/
Auch auf meiner Webseite finden Sie noch Informationen über das Volkstedter Porzellan auf den Seiten über Hugo Meisel und Arthur Storch.
Als ich kürzlich in der Ausstellung der Gläsernen Manufaktur in Volkstedt verweilte, konnte ich dort etwa 20 verschiedene Börner Figuren ausmachen, die Paul Börner in der Älteste Volkstedter Porzellanmanufaktur hat ausformen lassen.
Liebe Leser,
natürlich hat mich mein Weg auch nach Schwarzburg zum Schloss Schwarzburg geführt.
Gerade ist mir ein Reisebericht von Erika Vorbusch aus dem Jahre 1914 in die Hände gefallen, der vielleicht von historischer Bedeutung ist, da er auch die Inneneinrichtung des Schlosses Schwarzburg im Jahre 1914 beschreibt. Daher möchte ich diese Fundstellen zitieren:
"Schloß Schwarzburgs mit Döschnitzer Marmor und Alabaster geschmückte Räumlichkeiten sind der Gegenstand längerer Beschreibungen jedes Führers durch Thüringen. Wer aber in Abwesenheit des Fürstenpaares durch die weiten Hallen, die endlos langen Korridore und architektonisch merkwürdigen Säle schreitet, belebe sie sich durch den Glanz fürstlichen Gepränges. Sobald die Dämmerung sinkt, eilen buntlivrierte Lakaien, silberne Leuchter in den Händen, geräuschlos durch die teppichbelegten Hallen. Auf den Stufen der Treppe zum Kuppelsaal nehmen sie Stellung."
Und jetzt gebe ich noch zum Besen, welcher Begrüßungszeremonie man als Gast ausgesetzt war:
"Und jetzt Fremdling, der Du unvermutet der Auszeichnung einer Einladung teilhaftig wurdest oder den Hausgebrauch auf Schloss Schwarzburg nicht kanntest, erzittere! Nichts Geringeres verlangt man von dir, als dass du den Trunk aus der "goldenen Henne", einem alten Trinkgefäß auch Schwarzagold, das dir der Diener bald nach der Suppe präsentiert, mit einem selbstgefertigten Toast in zierlichen Reimen begleitest. Wehe dir, wenn deine dichterische Begabung in dieser Stunde der Prüfung versagt. Ein anderer Lakai hält schon das "Quälglas" bereit, daß du, so hart auch die Prozedur, unter Halsverrenkungen zum Vergnügen der Tafelrunde bis auf den letzten Tropen leeren muss. Und noch ein anderer Verstoß kann dich zu dieser mittelalterlichen Tortur verdammen. Sprich nie von jenem ehrwürdigen Eichenast, den dir ein dritter Bedienter zum "Schwarzburger Willkomm" an eiserner Kette um den Hals legt, in despektierlicher Weise als einem Klotz. Dieses wundervolle Geschmeide, wie du den ebenso schweren wie ungewohnten Schmuck zu benennen hast, symbolisiert die Schwelle des Hauses, die du zum ersten mal als Gast überschritten hast. Hat sich dein Rednertalent und die Kunst, in allen Lebenslagen - auch einem Holzklotz gegenüber - den guten Ton zu bewahren, glänzend bewährt, so darfst du dich mitsamt deinem Sprüchlein nach Tisch in das "goldene Hennenbuch" eintragen, die kostbar ausgestattete Gästechronik des Hauses Schwarzburg...
Goethe muß wohl nicht zur fürstlichen Tafel gezogen sein, da sein Namenszug im "goldenen Hennenbuch" fehlt. Besucht hat er Schloß Schwarzburg gewiss, wie die von ihm gefertigte Federzeichnung beweist, deren Original sich jetzt im Goethehaus zu Weimar befindet. Schillers Lotte hat sich auf einem Blatt verewigt, ebenso Karoline von Wolzogen, Jean Paul und auch Kaiser Wilhelm I.
Noch viele Raritäten gab es für mich zu bewundern. Jeder der hohen Lehnstühle, die wappengeziert in fortlaufender Reihe die Wände des großen Speisesaals schmücken, ist eigenhändig von einer Prinzessin des Hauses gestickt, ehe sie ihrem Gemahl zuliebe das väterliche Schloß verließ. Ein geschnitzter pergamentüberzogener Kasten in Gestalt des Schwarzburger Löwen, eine prächtige Arbeit aus dem 13. Jahrhundert und als solche von unschätzbarem Werte, ist ein würdiges Gegenstück zur goldenen Henne. Ringsum auf Tischen und Wandbrettern eine Sammlung wunderlicher Spielereien des Mittelalters, Humpen deren Inhalt sich beim Ansetzen durch eine Anzahl kleiner Löcher wohl auf die Brust des Durstigen, nie aber in seine Kehle ergoß. Kanonenbecher, die dem ahnungslosen Trinker eine Ladung Pulver ins Gesicht spien, und was dergleichen Neckereien mehr sind.
Nach beendigter Tafel ordnet sich der Zug. Am Arm des Oberhofmarschalls von Priem trete ich in den glänzend erleuchteten Salon. Tannengrün und Heidekraut füllt in dichten Büschen riesige Kübel. Laut knacken in glühendem Feuerschein die aufgehäuften Holzmassen. Die rote Glut zuckt phantastisch über die mächtige Quadern ungestuckten Ruhpolder Marmors, die den lodernden Feuerzauber einfassen. Alles ist schloßartig in diesem Raum, übergroß. Über das Feuer, die Blumen, die warmen Farben der Teppiche und Wandverkleidungen lassen keine Unbehaglichkeit in dem weiten Saal aufkommen... "
Liebe Leser,
ja, der Ort Sitzendorf hat für die Geschichte des Porzellans eine besondere Bedeutung erlangt.
Hier hat Georg Heinrich Macheleid im Jahre 1760, nur eine Nasenlänge vor Johann Wolfgang Hammann in Wallendorf, besser gesagt vor Gottfried Greiner, selbständig und unabhängig von anderen, die es ihm gleichtaten, das Porzellan erfunden, wie es heißt. Er begann in diesem Ort bescheiden mit der Porzellanherstellung (besser gesagt mit Versuchen zur Porzellanherstellung) bis die Fabrik (eher Laborierwerkstatt) bereits zwei Jahre später nach Volkstedt verlegt wurde bzw. in Volkstedt wirklich eine Fabrik eingerichtet wurde. Es gibt auch historische Quellen, wonach Macheleid die von Johann Wolfgang Hammann in Wallendorf eingereichten Porzellanproben noch dazu benutzen musste, um die seinen zum Ergebnis zu führen und der Zuschlag nur deshalb Macheleid erteilt wurde, weil dieser mit den Obrigkeit einen Deal zu Gründung einer Porzellanfabrik unter fürstlicher Beteiligung ausgehandelt hatte, was selbst diesem dann aber zuviel wurde und er sich aus dieser Gesellschaft zurückzog, die im Grunde auch nicht zu einer wirklichen Produktion von Porzellan voran und erst nach Verpachtung in Schwung kam.
Es trat eine neunzig Jahre währende Stille im Ort ein................................................................
bis sich Wilhelm Liebmann aus Lichte entschloss, dortselbst eine Porzellanfabrik anzulegen.
Nur war er keineswegs, wie es in der vorhandenen Literatur verlautbart "ein Gastwirt aus Lichte" und auch keiner, der nach seinen Abgang in Lichte "in Sitzendorf eine Gastwirtschaft betrieb".
Er war der Wilhelm Liebmann, der sich jahrzehntelang bemüht hatte, die Konzession für die Betreibung einer Porzellanfabrik in Lichte zu erhalten und nebenher in seiner "Lavafabrik" in Lichte verbotenerweise bereits fleißig Porzellan hergestellt hatte. Warum Wilhelm Liebmann, der als Nachfolger von Johann Heinrich Leder jahrzehntelang auf die Konzession gewartet hatte, sich , nach dem das Volkstedter Monopol 1830 endlich durchbrochen und die Erlaubnis für weitere Porzellanfabriken im Schwarzburg-Rudolstädtischen erteilt wurde, auch ihm als erstem Bewerber, im Jahre 1843 entschloss, seine Porzellanfabrik in Lichte zu verkaufen, wie wir wissen, an die Gebrüder Heubach aus Lauscha, erfahren Sie auf der genannten Seite.
Wilhelm Liebmanns Ehefrau war übrigens die Tochter von Ferdinand Hutschenreuther aus Lichte, der sich für die Liebmannsche Fabrik in Lichte in Höhe des Erbteils seiner Tochter verbürgt hatte.
Das erste Gesuch von Wilhelm Liebmann zur Erbauung einer Porzellanfabrik in Sitzendorf datiert auf den 20.06.1841. Es wurde wie das Gesuch vom 05.02.1844 und dasjenige von 1847 abgelehnt. Erst seine Eingabe an den Landtag im Jahre 1849 hatte Erfolg. Bis zum 09.03.1849 war Wilhelm Liebmann noch in Lichte. Im November 1849 kaufte er dann den Unbehaun'schen Gasthof in Sitzendorf und begann mit der Errichtung seiner Porzellanfabrik.
Am 18.11.1850 erhielt Wilhelm Liebmann die fürstliche Konzession zur Anlegung einer Porzellanfabrik in Sitzendorf mit sechs Drehscheiben und damit begann die mehr als hundert Jahre währende Tradition der Porzellanherstellung in Sitzendorf.
Zunächst wurden dort Pfeiffenköpfe und Puppenköpfe, Salbengefäße und einfache Figuren gefertigt. Erst etwas später kamen Haushaltsgeschirr, Teller und Tassen, hinzu.
1858 brannten die Fabrikgebäude vollständig ab; konnten jedoch umgehend wieder aufgebaut werden; sogar eine zweite Massemühle nahm den Betrieb auf.
Nach 1860 wurde das Sortiment um Figuren und Figurengruppen im Meißner Genre erweitert. Prunkporzellan, wie Spiegel, Leuchter, Tafelaufsätze, Vasen, Schalen, Körbe und Dosen kamen hinzu.
Das Liebmannsche Unternehmen zählte im Jahre 1863 etwa 60 Mitarbeiter und konnte schon zu dieser Zeit wirtschaftliche Erfolge verbuchen, so dass der Ruf des Sitzendorfer Porzellans auch über die Grenzen des Fürstentum und Thüringens hinaus in die Welt drang.
Ab etwa 1884 wurden in Sitzendorf die ersten Spitzenfiguren sowie Figuren und Figurengruppen religiösen Inhalts gefertigt.
Seinen ersten künstlerischen Erfolg konnte das Sitzendorfer Porzellan mit einer Goldmedaille auf der Internationalen Kunstausstellung in Erfurt im Jahre 1884 verbuchen. 1911 wurde der Sitzendorfer Fabrik in Turin eine weitere Goldmedaille zuerkannt.
Im Jahre 1896 wurde die Porzellanfabrik von Alfred Voigt übernommen, der sie in eine Aktiengesellschaft, bis 1909 die drittgrößte Porzellan-AG Thüringens, umwandelte.
Der I. Weltkrieg und folgende Wirtschaftskrisen führten dazu , dass man sich mittels billiger Massenartikel über Wasser halten musste bis dann 1932 eine Stabilisierung einsetzte.
Max Krause und Reinhold Rebhahn waren zu dieser Zeit die Betreiber der Porzellanfabrik Sitzendorf; als Chefmodelleur wirkte Max Siegel und als Maler sind Walter Grieshammer, Otto Reise und Hugo Sternkopf hervorzuheben. Es entstanden die für Sitzendorf bekannten Gärtner- und Schäferfiguren, Amoretten und Kinderfiguren, Figuren der vier Jahreszeiten, Monatsfiguren, Märchenfiguren und Schachfiguren.
Es gibt kein Thema, dem sich die Modelleure der Figuren- und Figurengruppen nicht zugewandt hätten: da gibt es Soldaten zu Pferde und zu Fuß, historische Persönlichkeiten, Dichter, Philosophen der Klassik und auch Handwerker, Nachbildungen von bedeutenden Kunstwerken aus der Mythologie und Geschichte...In vorderster Reihe stehen hier folgende Gruppen - Werke des Modelleurs Max Siegel - : das "Heilige Abendmal", die "Flucht nach Ägypten", die "Heilige Nacht", "Der sechsjährige Mozart am Hofe der Kaiserin Maria Theresia", die "Ausfahrt der Prinzessin mit der großen Kutsche", alle im traditionell historischen Charakter; stilistisch dem Barock und Rokoko verpflichtet.
Besondere Erwähnung sollten auch die Soldaten- und Reiterfiguren aus Porzellan finden, die bereits kurz nach der Jahrhundertwende in das Programm der Sitzendorfer Porzellanfabrik aufgenommen wurden und die sich zunehmender Beliebtheit erfreuten. Sie wurden von den Modelleuren mit viel Zeitaufwand bis ins kleinste Detail historisch getreu nachgebildet und haben in der Folgezeit in vielen Museen der Welt ihren Platz gefunden, da sie sich hervorragend eignen, das vielfältige Spektrum der Militärgeschichte darzustellen. Historische Persönlichkeiten wie Napoleon Bonaparte, Friedrich der II. und Hans Joachim von Ziethen wurden neben vielen Anderen dargestellt.
Die Sitzendorfer Figuren zeichnen sich durch zwei Besonderheiten aus: den detailreich gestalteten Grasbelag auf den Sockeln der Figuren und die sogenannte Figurenretusche, bei der die Falten und Konturen der Figuren vom Retuscheur aufwendig nachgezogen werden, was künstlerisch sehr anspruchsvoll ist und nur von wenigen Manufakturen ausgeführt wird.
Auch nach dem II. Weltkrieg gelang der Porzellanfabrik ein Neuanfang, so dass Sitzendorf seinen bei Kunst- und Porzellanliebhabern in vielen Ländern erworbenen guten Ruf für sein Fortwirken nutzen konnte, der auch mit namhaften Bildhauern und Formgestaltern wie Max Siegel, Franz Rauch, Oppel und Schlesinger verbunden ist.
Im Jahre 1981 erfolgte der Zusammenschluss der Sitzendorfer Porzellanfabrik mit den ehemaligen Porzellanfabriken Karl Ens und Rudolf Kämmerer in Rudolstadt -Volkstedt und Eingliederung in das VEB Kombinat Schmuck und Porzellan Rudolstadt.
Daher erfahren Sie nachfolgend auch etwas über deren Geschichte und Wirken...
Karl Ens war ein Sohn von Friedrich Karl Ens, der in Thüringen weithin bekannt ist. Der Vater war 1802 in Lauscha geboren und als Porzellanmaler und Lithograph Mitinhaber der Porzellanmalerei Ens und Greiner in Lauscha. Als der Vater 1860 einen Anteil an der Älteste Volkstedter Porzellanfabrik erwarb, zog der Sohn Karl Ens ebenfalls mit seiner Familie dorthin und wurde Mitinhaber der Fabrik (Triebner, Ens & Eckert).
Diese Geschichtsversion können die Taufbücher von Volkstedt und Lauscha nicht bestätigen. die Kinder von Carl Christian Günther Ludwig Ens, Porzellanmaler und Friedensrichter zu Lauscha, ältester Sohn des Johann Friedrich Carl Ens in Lauscha hat mit seiner Frau Caroline Agathe Haag, jüngste Tochter des Carl Haag, Porzellanmaler in Lichte, von 1858-1873 sieben Kinder zur Welt gebracht und zwar alle in Lauscha. Die Familie hat demnach bis 1873 in Lauscha gewohnt. Eine Verbindung nach Volkstedt gab es dennoch. Im Jahre 1863 war als Pate anwesen: Robert Macheleidt, Mitbesitzer der Porzellanfabrik in Volkstedt. Auch der Bruder Eduard hat bis 1874 mit seiner Familie in Lauscha gewohnt.
1899 schied Friedrich Karl Ens jun. jedoch bei Triebner, Ens & Eckert aus (so die offizielle Version) und errichtete seine eigene "Porzellanfabrik Karl Ens" in Volkstedt.
Wichtige Stützen seines Unternehmens waren ihm seine Söhne. Paul (1869-1940) übernahm als Chemiker und Keramiker das technische Ressort, Eduard (1863-1938) die kaufmännische Leitung und Hermann (1865-1930) die künstlerische Gestaltung. Neben Hermann Ens wirkten als freiberufliche Künstler auch Büschelberger, Boefs, Kolbe und Kopp für die Fabrik.
Vor dem ersten Weltkrieg wurden folgende Artikel hergestellt: mythologische Figuren, Wandreliefs, Vasen, Jardinieren, Dosen, Genrefiguren und Tiere.
Nach 1920 wandte man sich verstärkt der Unterglasurtechnik zu. Paul Ens hatte mit seinen Mitarbeitern eine Farbpalette für Unterglasurfarben entwickelt, die in dieser Zeit in ihrer Vielfalt einzigartig war. Dafür wurde die Brenntechnik auf kleine Scharffeuermuffeln umgestellt.
Es wurden Tiere aller Art, vor allem aber Vogelfiguren und Vogelgruppen hergestellt, die als Ausdruck der Vorstellung von keramischer Plastik in den 1930er Jahren besonders nachgefragt waren und zwar in einer Vielfalt, wie in keiner anderen international renommierten Porzellanfabrik.
Um 1931 trat der Thüringer Maler und Modelleur Franz Rauch in der "Porzellanfabrik Karl Ens" auf den Plan und prägte entscheidend das künstlerische Niveau der Fabrik. Er widmete sein Leben den Vogelfiguren und Vogelgruppen und wird daher als der "Ornitologe des Thüringer Porzellans" betitelt.
Was ist es nun, was die Figuren so einzigartig macht: die Feinheit der Modellierung, die Brillanz der Unterglasur, die besonders feine detailreiche Ausbildung der einzelnen Vogelfiguren auch vermittels der angewandten Figurenretusche, die Treue gegenüber dem lebenden Objekt, der Einfallsreichtum bei der Tierdarstellung, die Originalität, die naturgetreue Postamentgestaltung.
In den 1960er Jahren konnte durch staatliche Beteiligung die Brenntechnik auf elektrisches Brennen umgestellt und dadurch Produktion und Export gesteigert werden. 1972 wurde die Firma Ens in Volkseigentum überführt und firmierte unter VEB Unterglasurporzellanfabrik Rudolstadt-Volkstedt; im April 1974 wurde sie Betriebsteil der VEB Sitzendorfer Porzellanfabrik.
Das Sortiment können Sie in der nachfolgenden Galerie bewundern.
Die vor- und nachstehend gezeigten Tierfiguren sind von Heiner-Hans Körting aus Dornburg modelliert worden. Die Beschäftigung mit dem Werkstoff Porzellan stand im Zentrum seines Alterswerkes. Er fand im VEB Sitzendorfer Porzellanfabrik einen Partner, der reich an Erfahrungen mit der Produktion von Tierfiguren war und damit die Gewähr für eine ausgezeichnete Qualität der Objekte gab. Mit der Serienfertigung in Porzellan wurden die Schöpfungen von Heiner-Hans Körting einem breiten Interessenten- und Sammlerkreis zugänglich.
Die Qualität und lebendige Ausstrahlung der mit Charme und Esprit geformten Tiere liegt in der Betonung charakteristischer Wesenseigenschaften und dem Verzicht auf Nebensächlichkeiten.
"Bisher hat er seine Kunst stets als plastisches Gestalten in Ton verstanden. Ob Gefäßkeramik in Form von Vasen, Schalen, Dosen, Services oder in seiner Domäne - den Tierplastiken - immer sind es ästhetisch höchst feinsinnige Übertragungen von Naturgegebenheiten in die Sprache der Kunst. Aus tiefstem Erleben und intensiven Studium der Natur auf der Grundlage meisterlichen Könnens entstehen seine in Gesamtkomposition wie im Detail ausdrucksstarken originellen Gebilde", heißt es in der Broschüre.
Wie es in einer Fundstelle im Internet heißt, soll die Porzellanfabrik Kramer und Kämmer aus den Trümmern der in Rudolstadt-Volkstedt ansässigen Porzellanfabrik Müller & Co. entstanden sein. Diese soll in den letzten Kriegstagen 1945 durch Bombeneinwirkung zerstört in Schutt und Asche gelegen haben, Firmengebäude und damit ein großer Teil des technischen Inventars sowie Formen und Modelle waren gemäß dieser Fundstelle zerstört. Da die Firmeninhaber, wie es heißt, entschieden hatten, die Firma nicht wieder aufzubauen, begannen die Mitarbeiter der Firma, der Porzellanmalermeister Rudolf Kämmer und der Modelleur Paul Kramer mit der Beseitigung der Trümmer und wagten den Neuanfang. Sie übernahmen im Ortsteil Rudolstadt-Schwarze eine alte Wehrmachtsbaracke und gründen die Porzellanfabrik Kramer und Kämmer. Alte, noch vorhandene Modelle wurden übernommen.
Nach einer anderen, m.E. verlässlichen Quelle, würde die Porzellanfabrik Müller & Co. 1907 durch Hermann Müller, welcher vorher Modelleur in der Porzellanfabrik "E. & A. Müller" war, durch den Obermaler Rudolph Zimmermann und Otto Hammer gegründet. Müller und Zimmermann schieden jedoch bald nach der Grünung wieder aus und Anton Müller aus Volkstedt wurde neben Otto Hammer Mitinhaber. Als Anton Müller 1935 verstarb, traten dessen Söhne Hermann Müller und Karl Müller an seine Stelle. Durch das Ausscheiden von Otto Hammer wurden sie Alleininhaber. Auch Karl Müller schied 1936 aus, so dass Hermann Müller den Betrieb bis zu seinem Tod am 13.01.1947 allein weiterführte. Kurzzeitig wurde der Betrieb durch den Kaufmann Saar und später bis 1952 durch Nichterlein in Pacht genommen. Produziert wurde Luxusporzellan aller Art, Spitzenfiguren, Dosen, Schalen und Ascher. Der Betrieb wurde 1952 aufgelöst.
Wie aus dem Internet hervorgeht, wurden durch die Familie Saar, die die DDR verlies und sich im Schwarzwald niederlies Modelle von Spitzenfiguren übernommen und diese bis in die Gegenwart in Irland weiterproduziert, die noch heute mit der damaligen Porzellanmarke der Porzellanfabrik Müller & Co. gemarkt werden.
Der Porzellanmaler Rudolf Kämmer und der Modelleur Paul Kramer gründeten 1945 den Betrieb als Kramer & Kämmer, keramische Manufaktur GmbH, Volkstedt-Schwarza. Als der Modelleur Paul Kramer durch eine schwere Krankheit bedingt 1953 die Firma verlässt, wurde unter Rudolf Kämmer, Volkstedt, Keramische Manufaktur firmiert und die Firma zog nach Rudolstadt um.
Zu Beginn wurde Feinsteingut bzw. Ziersteinzeug hergestellt; ab 1951 führte man daneben auch Zierporzellan ein und ab 1953 wurde ganz auf Zierporzellan in überwiegender Handarbeit umgestellt.
Ab 1953 wurde hochwertiges Zierporzellan antiken Genres hergestellt:
Porzellanfiguren mit Kobalt- und Golddekorationen, barocke Spiegel, Wand- und Kronleuchter und Tischschmuck, wobei die Porzellane des Raum- und Tafelschmucks als die Spezialitäten galten.
Viele dieser Modelle wurden von Gustav Oppel und Fritz Schlesinger entwickelt.
1968 übernahm der Sohn Erhard Kämmer den Betrieb und firmierte unter E. Kämmer.
Ab 1972 führte man die Firma VEB Zierporzellan Rudolstadt und 1974 erfolgte die Eingliederung in den VEB Sitzendorfer Porzellanfabrik unter Erhaltung der Kämmer-Marke.
Nachfolgend das Sortiment der Fabrik.