Porzellan - Geschichte(n)
Da bin ich wieder für Sie, Ihre Porzellan-Reporterin
de K o g e n 's Sylvia,
mit meinen Geschichten rund um Kunst und Porzellan in Thüringen
Reinhard Richter - Modelleur und Formgestalter im Porzellanwerk Colditz - ein Lichtner in Colditz
geb. am 05.04.1936 in Lichte
Reinhard Richter gehört natürlich zu den großen Lichtern am Porzellanhimmel...
Warum ich erst jetzt über ihn geschrieben habe, ist sicher den Umständen geschuldet und so garnicht vereinbar mit seinem Verdienst für unsere Porzellangeschichte.
Er ist einer von uns und noch mehr, er gehört zu meiner Familie, ist ein Sohn des ältesten Bruders Eugen Richter meines Großvaters Paul Richter und damit ein Cousin meiner Mutter (diese eine geborene Richter) - ein echter Thüringer eben, der auch Musikinstrumente erlernt hat und den Chorgesang liebt...
Aber was er vor allem ist und war - ein erfolgreicher und anerkannter Porzelliner, ein Porzelliner mit einem Leitspruch:
"Mein Anliegen ist, im Produkt Funktion, Schönheit und Produktionssicherheit zu verbinden und neue Erzeugnisse zu gestalten, die viele Menschen erfreuen und dazu beitragen, das Leben schöner zu machen und es zu bereichern."
Die Mutter von Reinhard Richter, Hedwig geb. Schünzel, war Porzellanmalerin und dies sollte nicht ohne Auswirkung bleiben. Die Familie wohnte in Lichte OT Bock und Teich und es war natürlich auch die Porzellanherstellung in und um Lichte, die eine große Rolle spielte. So kam Reinhard Richter schon früh mit dem Porzellan in Verbindung, eine Verbindung, die sein Leben und unser aller Leben nachhaltig beeinflussen sollte.
Seine Ausbildung zum Modelleur erhielt Reinhard Richter von 1950-1953 an der Berufsvollschule, der späteren Fachgrundschule in Lichte. Hermann Willenberg und Heinz Rödel wurden hier zu seinen Vorbildern, die ihn mit ihrem künstlerischen Vermögen beeindruckten.
Von 1953-1956 erhielt Reinhard Richter seine Ausbildung zum Formgestalter und zwar an der Fachschule für angewandte Kunst in Sonneberg.
Im Anschluss an den Fachschulabschluss folgte eine zweijährige Assistentenzeit im VEB Porzellanwerk Triptis, wo er seine handwerklichen Fähigkeiten weiterentwickeln konnte.
Im Jahre 1958 wechselte er dann zum VEB Vereinigte Porzellanwerke Colditz. Hier war er im Gestalterkollektiv tätig, wo er über die Jahre mit der Gestaltung vieler Formen betraut wurde, die später so erfolgreich wurden. Dem damaligen künstlerischen Leiter des Gestalterkollektives, Paul Krauß, verdankt er viel und so wurde Reinhard Richter 1985 selbst Leiter des Gestalterkollektives, aber soweit sind wir noch nicht.
Er hat viel in das Team eingebracht und wurde mit dem Team erfolgreich, einem Team, das viele Ehrungen und Auszeichnungen eingefahren hat, einem Erfolg, an dem auch Reinhard Richter einen großen Anteil hat.
So erhielt das Kollektiv 1962 für das Hotelgeschirr "Colditz" die Goldmedaille des Ministeriums für Kultur und für das gleiche Modell 1964 ein Diplom in Faenza/Italien. Das Leipziger Messeamt verlieh den Vereinigten Porzellanwerken Colditz für weitere Haushalt- und Hotelformen aus Porzellan und Sintolan elf Goldmedaillen. Für die Form "Jade" wurde 1982 die Auszeichnung "Gutes Design" vergeben. 1980 brachte die Gestaltung und Entwicklung der Form "Saphir" für das Werk Freiberg dem Kollektiv die staatliche Auszeichnung "Banner der Arbeit".
Von 1980 bis 1983 absolvierte Reinhard Richter ein Externstudium an der Kunsthochschule Berlin, welches dazu beitrug, dass das skandinavische Design zu seinem künstlerischen Vorbild wurde, einem Design, in dem er auch seinen künstlerischen Leitspruch verwirklicht sah.
In den Jahren danach gab es künstlerische Aufträge zu erfüllen, die vom VEB Kombinat Feinkeramik Kahla und vom VEB Vereinigte Porzellanwerke Colditz an ihn als Gestalter herangetragen wurden.
Und heutzutage verbringt er seinen wohlverdienten Lebensabend ab und an damit, einen Chor zu dirigieren, mit meiner Mutter zu telefonieren und ... Geige spielt er jetzt aber nicht mehr.
Vorstehend das Service Dresden, 1958 von Werner Winkler entworfen und 1959 im Porzellanwerk Colditz hergestellt. Die Speiseteile zu letzterem Service wurden von Reinhard Richter gestaltet.
1984 hat Reinhard Richter an einem Workshop teilgenommen, von dem mir zahlreiche Fotos zur Kenntnis gelangt sind, die auch Reinhard Richter als Formgestalter in Aktion zeigen. Es war eine große Freude und Bereicherung für mich zu sehen, wie Porzellan in einem kreativen Prozess Form und Gestalt annimmt. Was ist wohl aus der schönen großen Amphorenvase mit Blattwerk und Ritzdekor und der großen Schale geworden, die er erschaffen hat??
Unter dem nachfolgenden Link können Sie noch mehr über Reinhard Richter und das Colditzer Porzellan erfahren:
Und nun hat sich mir noch eine neue Quelle für Informationen über den künstlerischen Nachlass von Reinhard Richter erschlossen:
Gerade erst in diesem Jahr erschienen ist die Dokumentation von Richard Anger im Eigenverlag, die bei ebay zu erwerben und gerade erst bei mir angekommen ist:
"Der gedeckte Tisch - Haushalts-, Hotel- und Zierporzellan in der DDR".
Und hier ist beim Durchblättern eine lange Reihe an Porzellan zu finden, an deren Gestaltung Reinhard Richter beteiligt war.
Eine umfassende und informative Dokumentation mit gutem Aufbau und exzellenten, vom Autor selbst gefertigten Fotos, alles in elegantem grau/weiss...
Wer es allerdings ein wenig bunter mag, der kann gern in meiner Ausstellung nach dem einen oder anderen dekorierten Stück suchen.
Ihre Richtersche Entdeckerin